Neptun, nicht Mars hatte Anfang der Woche das Sagen im Golf von Tongking. Der Taifun "Ida" nahm Chinesen und Amerikanern die Gelegenheit zum Kriegführen. Die 7. US-Flotte mußte ihre Erkundungsfahrten vor den Küsten Nordvietnams einstellen. Nicht allein des Wetters wegen. Der Zwischenfall mit dem Zerstörer "Maddox" hatte die Flottenführung überzeugt, daß der Kurs ihrer Schiffe in dem engen Golf von feindlichen Radarstationen verfolgt werden kann.

Dies war nicht der einzige Ärger der Admirale. Sie mußten sich von ihrem Oberbefehlshaber, Fregattenkapitän der Reserve Lyndon B. Johnson, vorhalten lassen: "Da habt ihr nun die ganze Flotte und die vielen Flugzeuge bekommen, und bringt es nicht einmal fertig, drei lumpige alte Schnellboote zu versenken!"

Militärkritiker Hanson W. Baldwin fand, die Verluste der Marineflieger (zwei Maschinen abgeschossen, zwei beschädigt) seien bei 64 Einsätzen gegen Nordvietnam viel zu hoch. Die Einbußen erklärte er sich mit der Unerfahrenheit der Piloten, geringer Flughöhe und Unkenntnis über die Stärke der feindlichen Flugabwehr.

Aber es gab auch eine politische Erklärung. Der Vergeltungsschlag war so eng begrenzt, daß er die Flakstellungen aussparte. Überdies hatte Präsident Johnson Nordvietnam über Rundfunk und Fernsehen vorgewarnt, als die Düsenjäger noch im Anflug waren. Er wollte von vornherein seinen Willen kundtun, den Konflikt zu lokalisieren.

Nichtsdestoweniger hat Peking den USA Bestrafung angedroht. Aber bis zum Wochenbeginn war der befürchtete Gegenschlag chinesischer Divisionen am 17. Breitengrad ausgeblieben. Diese Zurückhaltung spricht für die These, daß die Attacken der Nordvietnamesen nicht von langer Hand geplant waren. Mißverständnisse bei den Schnellboot-Kommandanten und mangelnde Koordination zwischen der 7. US-Flotte und Saigon waren mit im Spiel.

Zwei Tage; zuvor hatten südvietnamesische Einheiten ein Kommando-Unternehmen gegen eine Insel an der Küste Nordvietnams ausgeführt. Der Verdacht lag nahe, daß die "Maddox" Feuerschutz gegeben hatte. Nach Washingtoner Angaben war der Zerstörer jedoch zufällig im selben Gebiet auf einer Routinefahrt. Seine Aufgabe: Beobachtung des Nachschubverkehrs für die Vietcong, Meldungen über chinesische U-Boote und Funkpeilungen.

Die Einstellung dieser Fahrten beweist auch Washingtons Bereitschaft zur Entspannung. Aber niemand vermag zu sagen, was in den nächsten Wochen im Dschungel und in den Sümpfen Südvietnams geschieht. Es dauert geraume Zeit, bis die Vietcong-Einheiten neue Befehle aus Hanoi erhalten haben.