Um den Wehrbeauftragten, Vizeadmiral a. D. Heye, war es in den letzten Wochen still geworden. Seinetwegen jedoch mußten einige Bundestagsabgeordnete zum zweitenmal ihre Ferien unterbrechen, aus denen sie zuvor schon – wegen der "Telefonkrise" – von SPD und "Bild" aufgescheucht wurden. Drei Tage lang debattierten sie im Verteidigungsausschuß über die barsche Illustrierten-Kritik des alten Seebären (er wurde soeben 69) an den Zuständen in der Bundeswehr. Aber, sie wurden sich noch nicht eins, was davon zu halten sei. Denn. Heye selber fehlte, weil er seine Kur noch nicht beendet hat. Erst im Oktober soll er vor dem Ausschuß gehört werden.

Bundesverteidigungsminister von Hassel fand, die Angelegenheit sei auch so schon klar genug. "Die pauschalen Urteile in der Quick-Veröffentlichung wurden Punkt für Punkt sachlich widerlegt." Nur ein Vorwurf sei übriggeblieben: Der Ton bei einigen Unterführern müsse sich ändern.

Weit wies der Minister den Gedanken von sich, aus den Berichten Heyes Konsequenzen zu ziehen. (Einige Kritiker hatten ihm sogar den Rücktritt nahegelegt.) "Es geht hier nicht darum, Reformen einzuführen oder ein Steuer herumzureißen." Vielmehr wünscht der Wehrminister bessere "Bedingungen", um "mit neuer Kraft" sein Programm zu verwirklichen. Er nennt es "Konsolidierung des inneren Gefüges".

Woran es noch fehlt, haben die Abgeordneten sehr konkret in ihren Anträgen ausgesprochen:

  • Die Ausbildungskompanien sind zu groß
  • Sie müssen mit Offizieren und Unteroffizieren voll besetzt sein.
  • Führer und Unterführer müssen lebenserfahren sein und gute Beurteilungen vorweisen können.
  • Unteroffiziere und Offiziere brauchen eine bessere Ausbildung

Der CDU-Wehrexperte Kliesing meinte, das Bildungsniveau des Unteroffizierskorps lasse sich anheben, wenn die Bundeswehrfachschulen mehr gefördert werden. Begabte Offiziere sollten vom Dienst beurlaubt werden, damit se sich auf Bundeswehrakademien weiterbilden können, die freilich erst noch geschaffen werden müßten.

Wie nötig ihre Vorschläge waren, konnten die Parlamentarier den Ausführungen des künftigen Heeresinspekteurs, des Generals de Maiziere, entnehmen: Das Konzept der Inneren Führung sei in der Bundeswehr unumstritten, behauptet er. Doch es müsse genügend Personal da sein, um es zu praktizieren.