Kaum beginnt das erste Gras über die spektakulären Begleitumstände zu wachsen, unter denen der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht aus dem Aufsichtsrat der Agip AG., München, ausschied (vgl. ZEIT Nr. 30/64), da ist die Tochtergesellschaft der italienischen Staatsholding ENI erneut im Gespräch. Dem einzigen noch verbliebenen deutschen Vorstandsmitglied Euringer und dem deutschen Personalchef Köhler wurde durch Entschluß des Aufsichtsrates fristlos gekündigt. Die Öffentlichkeit erfuhr von dieser Handlung allerdings mit dreitägiger Verspätung; und keineswegs auf dem üblichen Wege und nur in verklausulierter Form. Nur wer die Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 3. August gelesen hatte, wußte, daß Euringer und Köhler aus der "Mitte der Agip gerissen" worden waren. Welch makabrer Coup! Denn beide lebten! Durch ihren Rechtsanwalt gaben sie es der Zeitung bekannt, die ihrerseits eilig Anzeige gegen Unbekannt erstattete. Denn sie hatte die Anzeige telephonisch angenommen und wartet bis heute auf ihr Geld.

Der entlassene Vorstand seinerseits hat ein Rechtsverfahren gegen die Agip in Gang gesetzt. Das geschah nicht nur, um auf die Erfüllung des Vertrags und die Gehaltszahlung zu klagen, sondern auch, um sich gegen den Vorwurf zur Wehr zu setzen, er allein sei für das schlechte Jahresergebnis durch den Abschluß langfristiger Lieferverträge für Heizöl verantwortlich, deren Preise im vergangenen Jahr rapide gefallen sind.

Wie dem auch sei. Fest steht, daß sich seit der letzten Hauptversammlung die Spannungen zwischen dem verbliebenen deutschen und den beiden neuen italienischen Vorstandsmitgliedern ständig verstärkt hatten und eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht mehr möglich schien. Die neuen Herren aus Rom zogen nun die Konsequenzen mit einer radikalen Scheidung auf italienisch. Ob zu Recht oder Unrecht, mag das Gericht klären. Makaber genug bleibt das üble Spiel mit der Anzeige, das sich Unbefugte, aber offensichtlich gut unterrichtete Kreise geleistet haben. t. r.