Auf seine Alleinaktionärsrechte an der Vereinigten Industrie-Unternehmungen AG, Berlin/Bonn, wird der Bund vorerst noch nicht verzichten. Außer der schon vor Jahren angekündigten Privatisierungsabsicht hat sich im Hinblick auf diese zweitgrößte Bundesholding noch nichts wieder getan. Gegenwärtig konzentriert sich das Interesse des Bundesschatzministeriums ganz auf die Privatisierung der Veba. Die Viag-Verwaltung ist der Auffassung, daß sie mit Sicherheit erst gegen Ende der nächsten Legislaturperiode "dran" kommt. Erst dann wird auch die Dividendenpolitik des Unternehmens ein spannenderes Kapitel werden. Für das Geschäftsjahr 1963/64 schüttet die Viag an ihren Alleinaktionär wiederum 10 Prozent aus; in der Bilanzbesprechung mit der Presse legte das Vorstandsmitglied Dr. Wilhelm Bächle Wert auf die Feststellung, daß der Bund von der Viag immerhin – seit der Wiederbelebung des Konzerns nach dem Kriege – 199 Millionen DM als Dividende erhalten hat, davon 100 Millionen in den letzten vier Jahren. Zu berücksichtigen ist dabei auch die 1960/61 vorgenommene Aufstockung des Kapitals aus Gesellschaftsmitteln von 190 auf 250 Millionen DM.

Was die Viag-Aktie eines Tages für private Aktionäre wert sein wird, hängt bei dem Holding-Charakter der Gesellschaft weitgehend von den zahlreichen Töchtern ab, die in der Elektrizitätswirtschaft, in der Elektrochemie, aber auch – zu einem kleineren Teil – in der Montanindustrie tätig sind. Von dem in der Viag-Bilanz ausgewiesenen Anlagevermögen von 417 Millionen DM entfallen 216 auf die Energieversorgung, 151 auf die Elektrochemie und 50 Millionen DM auf andere Unternehmungen wie Ilseder Hütte und Ilse Bergbau.

Bei ihren Haupterzeugnissen haben die Viag-Töchter ihre Anteile an der deutschen Produktion im vergangenen Geschäftsjahre nochmals überwiegend leicht verbessern können. Nach der vollen Inbetriebnahme der neuen Aluminiumhütte der Vereinigte Aluminium-Werke AG (VAW) stieg der Anteil des Hüttenaluminiums auf über 75 Prozent, Kalkstickstoff lag bei knapp 80 Prozent der deutschen Erzeugung. Etwa 32 Prozent macht der Anteil der Stromerzeugung aus Wasserkraft aus, während die Elektrizitätserzeugung aus Dampf- und Wasserkraft zusammen bei etwas unter 10 Prozent lag. Der Viag-Vorstand kündigte größere Investitionen auf der Kraftwerksseite an. Der Bau weiterer Dampfkraftwerke auf der Basis von Steinkohle, Braunkohle und Öl mit einer Maschinenleistung von insgesamt 550 MW sei bereits in Angriff genommen. Im vergangenen Jahr gingen die Investitionen im Viag-Bereich auf 222 Millionen DM, damit also wieder auf das früher übliche Maß zurück; die Vorjahrsspitze von 305 Millionen war durch den Bau der neuen Aluminiumhütte erforderlich gewesen.

Besonderes Interesse verdient bei den Zukunftsprojekten des Konzerns die Ilse-Bergbau, die – nach Übernahme des Petscheck-Paketesdurch die Viag – inzwischen’ zu 81,6 Prozent im Besitz des Bundesunternehmens liegt. "Wir glauben, daß uns etwas eingefallen ist, um wieder Leben in die Ilse zu bekommen", erklärte das Viag-Vorstandsmitglied Dr. Karl Röhrs. Aber es sei noch nicht an der Zeit, darüber zu sprechen. Die Viag-Verwaltung verspüre jedenfalls – so war zu hören – eine moralische Verpflichtung, die Ilse wieder in eine positive Entwicklung zu bringen. Ein Umtauschangebot an die freien Ilse-Aktionäre wird – wie es heißt – nicht erwogen.

Die Ertragslage des Konzerns hat sich im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr verbessert. Die bei der Holding eingegangenen Beteiligungserträge erhöhten sich auf 31,6 (28,5) Millionen DM, davon stammen 16,6 (11,2) aus der Elektrizitätswirtschaft, 12,2 (14,4) aus der Elektrochemie und 2,8 (2,8) Millionen DM von der Ilseder Hütte. Mit einer Rücklagenzuweisung von 3,29 (3,25) Millionen DM weist die Viag einen auf die Dividende abgestellten Gewinn von 25 Millionen DM aus. Zwischenzeitlich hat sich das Grundkapital auf 254 Millionen DM erhöht. Nmn