Fünf Wochen wurde in Rom zäh verhandelt, bis sich die zweite Regierung der "linken Mitte" unter Aldo Moro dem Parlament mit einem neuen Programm stellen konnte. Die äußerste Linke und die Rechte versagten – wie schon zuvor – der Regierung die Unterstützung.

Aber auch innerhalb der beiden großen Koalitionsparteien, den Christlichen Demokraten und den Sozialisten, konnte die Opposition nur mit einem Appell an die Parteidisziplin in Schach gehalten werden. Der rechte Flügel der DC unter Führung von Scelba wünscht eine gaullistische Außenpolitik und fordert ein "härteres", in keinem Fall ein internationales, Vorgehen in der Südtirol-Frage. Die Linke der Sozialisten wirft Nenni vor, zu weitgehende Zugeständnisse an seine bürgerlichen Koalitionspartner gemacht zu haben.

Die innerpolitischen Probleme stellen sich dem neuen Kabinett dringender als je zuvor: die Dämpfung der überhitzten Konjunktur, die Stabilisierung der Währung und die Beseitigung der Arbeitslosigkeit.

Die Voraussetzungen für das Gelingen des zweiten Experiments der Zusammenfassung aller gemäßigten politischen Kräfte in Italien sind demnach nicht günstiger als beim ersten Versuch Moros. Sein Scheitern würde zu einer Radikalisierung der italienischen Innenpolitik führen, zu einer Stärkung der Kommunisten und Neo-Faschisten. Die Stabilisierung der italienischen Innenpolitik aber ist eine der Voraussetzungen für weitere Schritte auf dem Weg zu einem geeinten Europa. Aniello Verde