Die Amerikaner, die schon so viele Lasten tragen, haben sich nun auch am Kongo engagiert. Soldaten der Zentralregierung in Leopoldville fliegen zum Einsatz gegen die Rebellen jetzt in US-Transportmaschinen. Außerdem werden Moise Tschombe, der sich als starker Mann und "Retter des Kongo" aufspielt, alte Bomber vom Typ B-26 zur Verfügung gestellt. Zugleich hat allerdings Washington erklärt, die Bemannung dieser Flugzeuge sei Tschombes Sache – und außerdem seien weitere militärische Lieferungen an Leopoldville nicht geplant.

Für die Wirkung in den jungen Staaten Afrikas (wo man Tschombe haßt), aber auch außerhalb des schwarzen Kontinents macht es keinen großen Unterschied, ob die US-Flugzeuge auch von amerikanischen Piloten oder etwa von südafrikanischen Söldnern geflogen werden – der Vorwurf der "imperialistischen Einmischung" bleibt bestehen. Weiterhin ist natürlich die Frage, ob sich das Engagement einer Großmacht, deren Prestige durch jede Schlappe leiden müßte, überhaupt begrenzen läßt? Es mag sehr wohl sein, daß sich der Kongo für die USA als ein tückisches Faß ohne Boden erweist.

Und wozu dies Risiko? Glaubt Washington, es könne eine "stabile Lage" schaffen, wo seit Jahren das Chaos herrscht? Die bösen Erfahrungen, die die UN-Truppen gemacht haben, sollten eigentlich genug abschrecken. Und die kommunistische Infiltrationsgefahr? Anders als etwa in Berlin oder auch in Südvietnam, wo es darum geht, eine Ausweitung des roten Herrschaftsbereiches zu verhindern, liegen am Kongo die Chancen der (vor allem) chinesischen Kommunisten doch vor allem darin, im Untergrund zu wühlen und gegen die "imperialistische Herrschaft" zu rebellieren. Die USA haben sich jetzt freiwillig als willkommener Gegner etabliert.

Und ist die Gefahr, die Washington bekämpft, überhaupt eine Gefahr? Eine Machtergreifung der nach Peking orientierten Rebellen würde der kommunistischen Sache schwerlich zum Heil gereichen. Denn es ist unwahrscheinlich, daß es ihnen gelingen könnte, den unregierbaren Kongo zu regieren. H. G.