Dieser zunehmenden Neigung, „schnell mal eben“ ein paar Schluck zu trinken, kam Sunkist .entgegen. und der Bequemlichkeit. Es gibt kein Flaschenpfand. Ein angespitzter Trinkhalm wird mitgeliefert, mit dem man – Glück und Geschick vorausgesetzt – die angebohrte Stelle in der Verpackung durchstoßen kann, um ohne Becher oder Glas zu trinken.

Der besondere Trick aber war, daß es der Firma Rickertsen gelang, Sunkist auf den Ladentisch fast jedes Lebensmittelhändlers zu lancieren. Statt mit dem Getränkegroßhandel arbeitete Rickertsen mit dem Lebensmittelgroßhandel zusammen und machte so aus jedem Krämerladen eine Trinkstube.

Den Saft in der Tüte stellte er nach Coca-Cola-Manier her: Rickertsen bezieht das fertige Konzentrat von Sunkist aus den USA und fügt lediglich – nach festem amerikanischem Rezept – Wasser und Zucker hinzu. Er tut das bei stündlich 54 000 Tüten. Tag und Nacht liefen in diesem Sommer die zwölf Abpackmaschinen. Und obwohl die Produktion an einzelnen Tagen die Millionengrenze erreichte, mußten sich Sunkist-Vertreter zeitweise mit Zuteilungen begnügen und den Handel vertrösten.

Sunkist ist der Erfolg einer Selbsthilfeaktion. Vor siebzig Jahren, 1893, gründeten einige kalifornische Farmer – darunter auch eine Anzahl deutschstämmiger Obstbauern – eine Genossenschaft, um den Anbau von Zitrusfrüchten, ihre Verarbeitung und den Absatz gemeinsam zu organisieren. Heute ist die Sunkist Growers Inc. die wahrscheinlich größte Spezialfirma der Welt für Anbau und Verarbeitung von Zitrusfrüchten.

Aus dem Verkauf von frischen Früchten und von selbstfabrizierten Säften nimmt die Genossenschaft jährlich rund 880 Millionen Mark ein. Mit 10 000 Mitgliedern erfaßt sie heute rund 85 bis 90 Prozent aller kalifornischen Zitrusfarmer. Praktisch brauchen die Vertragsfarmer nur noch das Land zu stellen. Alle anderen Einzelheiten – Anbau, Ernte und Ablieferung – werden ihnen präzise von Sunkist vorgeschrieben.

Sunkist hat nicht den Ehrgeiz, das billigste, sondern möglichst das beste Produkt zu liefern, selbst auf die Gefahr hin, daß es das teuerste ist. Dieser Grundsatz führte dazu, daß Sunkist mit seinem Hauptprodukt – konzentrierten Natursäften für die Fruchtsaftgetränkeindustrie – am preiskämpferischen europäischen Markt allmählich auf mehr und mehr Schwierigkeiten stieß. Die logische Folge war die Schaffung des neuen Produktes, eben der Sunkist-Orange.

Dieses Produkt aber kam der Importfirma Georg & Jürgen Rickertsen sehr zu paß. Rickertsen hat sich auf den Import von Konserven (Obst, Gemüse, Saft, Trockenfrüchte, Fleisch) spezialisiert, wobei er sich stark auf die USA eingestellt hat. Zwölf Jahre importiert seine Firma bereits gepreßten Sunkist-Zitronensaft in kleinen, runden 185-Gramm-Dosen und außerdem für einige bekannte Hersteller konzentrierte Zitrussäfte. Doch macht der EWG-Markt dieses Geschäft immer schwieriger.