Unsere Welt ist nicht nur durch den Eisernen Vorhang geteilt; die Trennung durch die Front der offenen Hände ist mindestens genauso scharf und bedauerlich." Diese Äußerung eines Beobachters der Genfer Welthandelskonferenz stand noch ganz unter dem Eindruck der massiven Forderungen, die die farbigen Vertreter der Entwicklungsländer an die wohlhabenderen Industrienationen stellten. Sie verstanden es, ihre Lage so schwarz wie möglich zu malen. Das langsamere Wachstum der jungen Nationen gegenüber den Industriestaaten tat ein übriges, um allenthalben Überlegungen auszulösen, wie man besser, schneller und umfangreicher helfen könne.

Jetzt aber zeigt es sich, daß die Vertreter Afrikas, Südamerikas und Asiens etwas zu tief in den Topf mit der schwarzen Farbe gegriffen haben, als sie die Situation in ihren Ländern schilderten. Die Weltbank hat in ihrem letzten Jahresbericht festgestellt, daß die Entwicklungsstaaten im letzten Jahr einen Außenhandelsüberschuß von immerhin 1,5 Milliarden Dollar erzielt haben. Aus dem Defizit wurde ein Überschuß.

Und die Aussichten für 1964 sind denn auch nicht so schlecht, daß man für die jungen Nationen das Schlimmste befürchten muß. Der Überschuß des Vorjahres war in seiner Höhe um so überraschender, als die Besserung der Rohstoffpreise, von denen die meisten dieser Länder leben, erst in den letzten Monaten des Jahres einsetzte, sich aber bis heute gehalten hat.

Am positivsten aber ist zu beurteilen, daß die Zunahme des Außenhandels mit der Ausweitung des gesamten Welthandels um neun Prozent Schritt gehalten hat. Die Verbesserung der Außenhandelsbilanz ist zudem nur etwa zur Hälfte auf steigende Preise, zur anderen Hälfte aber auf eine echte Ausdehnung der Exporte in die Industrieländer zurückzuführen. Und das trotz steigender Rohstoffpreise!

Die Bundesrepublik Deutschland, die wie kaum ein zweites Land an den Welthandel gekettet ist, trägt durchaus ihr Scherflein zu dieser für die Entwicklungsländer günstigen Entwicklung bei. Seit fünf Jahren importieren wir aus diesen Ländern mehr als sie von uns kaufen. 1963 erreichte das Defizit mit 2,2 Milliarden Mark seinen bisher höchsten Stand. Die Klagen der Entwicklungsländer sind nur insofern berechtigt, als ihre Exporte in die Bundesrepublik nicht mit den Exporten anderer (Industrie-) Staaten nach Deutschland Schritt gehalten haben.

Der Anteil der afrikanischen Länder an den deutschen Einfuhren ist seit 1954 von 6,6 auf 5,3 Prozent zurückgegangen. Die lateinamerikanischen Länder mußten zusehen, wie ihr Anteil von 12,4 auf 7,6 absank, und die Asiaten lieferten 1963 nur noch 7,2 Prozent der deutschen Einfuhren, während es 1954 noch 9,5 Prozent gewesen waren. Berücksichtigt man jedoch die starke Ausweitung des westdeutschen Außenhandels in diesen Jahren, so verlieren die prozentualen Rückgänge erheblich an Gewicht.