Es beginnt jeden Sonnabend morgen um acht. Dann hole ich mir eine Zeitung und lese die Wohnungsanzeigen. Ich suche eine Wohnung ohne Abstand.

Am vergangenen Sonnabend fand ich eine Anzeige: Zweieinhalb Zimmer, Bad, Zentralheizung, Miete 235 DM exklusive, ohne Abstand, Wohnbüro, Tel. 3017...Ich rief gleich an, und ein Herr sagte: "Ich würde Ihnen empfehlen, sich zu beeilen." In der ganzen Straße kein Laden, kein Arzt, kein Parkverbot. Ich klingelte. Ein Herr trat mir entgegen und seine Handbewegung sagte: Sehen Sie sich alles in Ruhe an.

Ich faßte in Gedanken kurz zusammen: 1000 DM für den Maler, einschließlich der Tapeten. Die Zimmer gehen zur Straßenseite hinaus, und in der ganzen Straße ist kein Laden, kein Arzt und kein Parkverbot. Man konnte von den Fenstern aus die U-Bahnstation sehen, und ich redete mir ein, daß ich schon als Kind immer für Kasernen, Schornsteine, Güterumgehungsbahnen oder U-Bahnstationen gewesen sei.

Der Herr stand im Flur, und ich sagte: "Die Wohnung nehme ich. Sicher wünschen Sie Referenzen, ich leiste auch sofort eine Mietvorauszahlung. Und wann kann ich einziehen?"

"Aber die Räume sollen als Wohnbüro vermietet werden", entgegnete der Herr, "das heißt, sie müssen mindestens einen Raum für gewerbliche Zwecke nutzen. In der Anzeige stand ausdrücklich ‚Wohnbüro‘."

"In der ganzen Straße ist kein Laden, kein Arzt und kein Parkverbot, und ‚Wohnbüro‘ stand am Schluß der Anzeige; ich dachte, ein Wohnbüro vermittelt die Wohnung."

Die Handbewegung des Herrn sagte: Das ist ein Mißverständnis. "Selbstverständlich brauche ich auch ein Büro", erwiderte ich und wollte Näheres über meinen Beruf sagen. Aber der Herr antwortete: "Es sind noch mehr Interessenten da. Ich könnte Ihnen allerdings noch ein Wohnbüro hier in der Nähe nachweisen, dreieinhalb Zimmer mit Bad und Zentralheizung, vierter Stock, 375 DM Miete exklusive, drei Fenster gehen zur Straßenseite hinaus, und man blickt auch auf die U-Bahnstation. In dem Haus befindet sich ein Fahrstuhl, der bis zum dritten Stock geht."