Fallende Blätter stimmen in der Regel wehmütig – erst recht in schwülen Sommernächten, und in Paris sowieso. Anders bei Christian Dior. Er versteht es, die Natur und das Sentiment der Passanten zu überlisten. Sein Schaufenster an der Avenue Montaigne zeigt in diesen Wochen ein helles, luftiges Birkenwäldchen, darin die neuen Herbstmodelle der Schuhmode in bunten Blättern versinken, von fallendem Herbstlaub allmählich zugedeckt werden. Träume von Schuhen-, auf die lautlos welke Blätter herabrieseln, bald zur Rechten, bald zur Linken, bald inmitten des Fensters. Sie lösen sich langsam, lassen sich vom Luftzug schaukeln und fallen dann behutsam zu Boden. Das herbstliche Geschäft in den Baumwipfeln besorgt diskret ein unsichtbarer Apparat. Nicht minder diskret wird der Passant zudem von einer Duftwolke umhüllt, einer Kostprobe Diorschen Parfüms, die einen glauben macht, die Nähe einer eleganten Pariserin zu atmen. Illusion – besorgt von einem Ventilator, der sein Dior-Parfüm aus einer Plasticflasche bezieht und damit die Luft verzaubert. Für wen? Für alle, die sich Diors Tempel nähern und seiner Faszination erliegen wollen – oder sollen. glp