Zwischen Wupper und Sieg

Das Bergische Land – ist es bergig? Es ist gebuckelt, gefaltet, eine wellige Wiesen- und Weidelandschaft, auf der schwarz-weiße Kühe, kleine Dörfer und verstreute Höfe stehen. Dazwischen buschiges Gehölz, bewaldete Kuppen.

Ja, bergig ist diese Landschaft, aber der Name geht auf die Grafschaft Berg zurück, die 1815 als Großherzogtum zur preußischen Rheinprovinz kam. Heute untersteht das Land den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf im Land Nordrhein-Westfalen.

Anmutig und herb zugleich darf man es nennen, eine Modellandschaft wie in Kinderbüchern, nicht großmächtig und dramatisch, ohne wilde Schluchten, mit schmalen, gewundenen Straßen, von Ginster gesäumt, mit weißgekalkten Häusern, die schwarzes Gebälk zeigen. Viele solcher Häuser schützen sich mit Schieferplatten gegen Regen und Westwind; ganz eingekleidet sind sie mit dem hellen Grau der Platten von oben bis unten, und die weißen Fensterrahmen geben einen freundlichen Kontrast. Man möchte gleich eintreten und es sich hinter so sichtbarer Ordentlichkeit wohl sein lassen. Auch ein blumengeschmückter Vorgarten ist da und hinter dem Haus der Obstgarten, darin wohlgenährte schwarzweiße Kälber, die unter jungen Apfelbäumen in der Löwenzahnwiese liegen.

Der Weg, den ich wähle, beginnt weiter südlich, hinter Bensberg, das sich stolz über der Rheinebene erhebt und mit seinem mächtigen Barockschloß, der alten Burg und dem "Türmchenhaus" den Eingang zum Bergischen Land bildet. Nach Overath, das tief im Tal der Agger liegt, steigt man hinauf nach Marialinden, dem Wallfahrtsort mit einer Kirche von 1512. Ihre dunklen Doppeltürme sind nun von jeder Höhe in der Umgebung erkennbar, mächtiger, als sie in der Nähe wirken. Von hier nach Federath, und dort scheint die Welt zu Ende. Die Straße führt nicht weiter. Es dehnt sich ein Waldgebiet von großer Einsamkeit. Ein paar Städter haben sich am Dorfrand angesiedelt und genießen am Hang den weiten Blick nach Süden. Aber der Ort ist ländlich geblieben, ein kleiner Gasthof nimmt Pensionsgäste.

Vom Essen ein Wort, denn Wälder und gute Luft allein machen eine Landschaft noch nicht anziehend. Es wird gut gegessen im Bergischen Land, obwohl der "Bergische Kaffee" nicht mehr in jedem Gasthof zu haben ist. Er macht zuviel Mühe. Aber mitunter sieht man ein Schild, das diese berühmte Vier-Uhr-Mahlzeit offeriert: Reis, Sandkuchen, Herzwaffeln, Aufschnitt mit geräuchertem und gekochtem Schinken, Käse und Kaffee, viel Kaffee. Das genügt für den Rest des Tages. Aber man kann es sich auch leichter machen und Eierkuchen in der "Erholungsgemeinde" Lieberhausen oder Forellen essen. Sie werden in den vielen Gewässern gefangen, die hier, wie in der Eifel, ein Netz von Talsperren speisen, den Stausee von Ehreshoven, die Wahnbachtalsperre hinter Siegburg, den Aggerstausee bei Gummersbach, den Bever Stausee über Wipperfürth, die Sengbach-Sperre an der Ruhrtangente der Autobahn. Die meisten von ihnen haben Plätze für Camping und Baden.

Auch das Flüßlein mit dem schönen Namen Dhünn bildet eine imposante Talsperre, von Wäldern gesäumt. Am Unterlauf, kurz vor dem hübsch gelegenen Dorf Odenthal mit seiner romanischen Basilika, liegt ganz allein der Altenberger Dom, der größte Sakralbau des Bergischen Landes, eine Zisterziensergründung, 1379 geweiht, reine Gotik mit einem fünfschiffigen Chor und einem berühmten Maßwerkfenster. Seit ihrer Renovierung dient die Kirche beiden Konfessionen. Sie wetteifern in der Pflege der Kirchenmusik.