Am 13. August, dem 51. Geburtstag des Erzbischofs Makarios, schien es, als sei der Ethnarch von Zypern am Ende seiner politischen Karriere. Fast die ganze Weltpresse machte ihn für den Tod der Frauen und Kinder verantwortlich, die bei türkischen Luftangriffen umkamen. Sein einziger Verbündeter, der griechische Premierminister Papandreou, tadelte ihn, weil er ohne Absprache mit Aden die türkische Bastion Kokkina angreifen ließ (siehe Karte). England schlug eine Zypern-Konferenz ohne Makarios vor. Athen und Ankara schienen im Begriff, sich über seinen Kopf hinweg zu einigen.

Doch die Griechen auf Zypern hielten zu ihm. "Eine halbe Million Menschen gegen die ganze Welt", war die Losung. Makarios erschien den Zyprioten nun als Märtyrer im Kampf gegen die Angelsachsen. Die Zeitungen brandmarkten die USA, mit deren Düsenjägern die Türken ihre Angriffe flogen. Der Acheson-Plan gilt von vornherein als suspekt, weil er von einem Amerikaner stammt. "Indem wir dem angloamerikanischen Druck ein Nein entgegensetzen, handeln wir in der Tradition von Metaxas (griechischer Diktator im Weltkrieg), der 1940 zu dem italienischen Ultimatum Nein sagte", erklärte ein Regierungsbeamter in Nikosia.

An dieser hartnäckigen Kompromißlosigkeit zerschellt jede: Zypern-Vorschlag des Westens oder der UN. Nach ihr muß sich auch die griechische Regierung ausrichten, will sie sich nicht beim eigenen Volk unbeliebt machen. Zu allem Unglück wurde UN-Vermittler Tuomioja, einen Tag vor Beginn neuer Verhandlungen, von einem Gehirnschlag getroffen. Und um das Maß vollzumachen, verließen die hundert griechischen Offiziere dasNATO-Hauptquartier Südosteuropas in Izmir. Die türkisch-griechische Waffenbrüderschaft besteht nur noch auf dem Papier.

Auf der Insel müht sich indessen UN-General Thimayya, den Ausbruch neuer Kämpfe zu verhindern. Den Waffenstillstand betrachtet er nur als eine "Atempause". Immerhin erreichte er eine größere Bewegungsfreiheit für seine Sieben-Nationen-Armee und eine Lockerung der Hungerblockade gegen die Türkenviertel.

Das Dilemma der UN und der Garantiemächte für Zypern wurde von der Sowjetunion ausgenutzt. In einer ungewöhnlich heftigen antiwestlichen Rede ergriff Chruschtschow die Partei des Erzbischofs, dessen Leibarzt nach Moskau geflogen war, um über eine sowjetische Militärhilfe zu verhandeln. Es wurde klar, welche Ziele die Sowjetunion verfolgt: 1. Teilnahme an künftigen Verhandlungen über das Schicksal Zyperns, 2. Beseitigung der britischen Bomberbasen und 3. Ausschaltung der NATO.

Noch mag die Besorgnis im Westen, Zypern könne ein zweites Kuba werden, verfrüht sein. Zumindest hat es Makarios verstanden, durch seine Hinwendung zu Moskau den weich werdenden Bundesgenossen in Athen in die Klemme zu bringen. Zum erstenmal war die Regierung eines NATO-Landes gezwungen, eine sowjetische Intervention gutzuheißen. Ein Regierungssprecher in Athen: "Die sowjetische Warnung in Ankara ist ein bedeutender Beitrag zum Frieden."