Chruschtschows Freunde und Feinde formieren sich

Von Wolfgang Leonhard

Der Kreml hat nun endlich das Startzeichen gegeben: In einem Leitartikel verkündete die "Prawda", daß die seit langem diskutierte kommunistische Weltkonferenz im Sommer 1965 in Moskau stattfinden soll. Zur Vorbereitung dieses Treffens wird am 15. Dezember 1964 in der sowjetischen Hauptstadt eine Kommission aus Vertretern von 26 kommunistischen Parteien zusammentreten. Dieser Planungskommission sollen führende Parteifunktionäre der dreizehn kommunistischen Staaten (UdSSR, Polen, Sowjetzone, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Albanien, China, Nordkorea, Nord-Vietnam, Mongolei und Kuba) angehören, sowie Bevollmächtigte der kommunistischen Parteien Argentiniens, Australiens, Brasiliens, der Bundesrepublik Deutschland, Finnland, Frankreichs, Großbritanniens, Indiens, Indonesiens, Italiens, Japans, Syriens und den USA. Diese "Konferenz der 26" soll die Entwürfe der Dokumente wie auch Vorschläge zu allen Fragen ausarbeiten, die bei der geplanten Moskauer Weltkonferenz auf der Tagesordnung stehen.

Noch vor der "Prawda"-Veröffentlichung hatte indessen die KP Chinas (mit 19 Millionen Mitgliedern die stärkste der Weltbewegung) erklärt, daß sie sowohl die Vorbereitungskommission als auch die Weltkonferenz boykottieren werde. "Wir werden niemals an einer internationalen Konferenz oder an einer Tagung zur Vorbereitung einer solchen Konferenz teilnehmen", teilte das Zentralkomitee der KP Chinas am 31. Juli mit, "die ihr zum Zweck der Spaltung der internationalen kommunistischen Bewegung einberuft." Peking ging sogar noch einen Schritt weiter: Es sagte der von Moskau vorbereiteten Weltkonferenz bereits jetzt ein völliges Fiasko voraus: "Es gibt zwar einige, die nach eurer Pfeife tanzen, aber ihre Zahl wird ständig kleiner. Daher wird die Geschichte zeigen, daß die Konferenz, die ihr einseitig und unter Zwang ohne Konsultation der Bruderparteien und ohne ihr Einverständnis einberufen wollt, nichts als eine unbedeutende und gegen den Kommunismus gerichtete Tagung sein kann ... Wir sind fest davon überzeugt, daß ihr an dem Tage, an dem diese sogenannte Konferenz zusammentritt, den Schritt ins eigene Grab tun werdet."

Nun ist diese Prophezeiung – wie manches, was Peking verbreitet – sicherlich übertrieben. Andererseits muß aber auch die "Prawda"-Erklärung, wonach sich die "absolute Mehrheit der kommunistischen Parteien" dafür ausgesprochen hätte, "in naher Zukunft eine neue internationale Beratung" einzuberufen, mit einer gewissen Skepsisaufgenommen werden. Wahr ist vielmehr, daß es der Sowjetführung erst nach vielen Monaten und unter großen Anstrengungen gelang, von 50 der 92 kommunistischen Parteien zustimmende Erklärungen für die gewünschte Weltkonferenz zu erhalten. Die übrigen 42 Parteien haben entweder Bedenken angemeldet oder sich in Schweigen gehüllt.

Die Hauptwidersacher gehören natürlich der Pekinger Richtung an: die herrschenden kommunistischen Parteien Chinas, Albaniens, Nordkoreas und Nordvietnams. Der politische Kurs wird, wenn auch mit Differenzierungen, von den kommunistischen Parteien Indonesiens, Japans, Burmas, Thailands, Malayas, Kambodschas und Neuseelands unterstützt. Für sie ist die von Moskau einberufene Weltkonferenz ein "revisionistisches Spaltertreffen". Die Pro-Peking-Parteien werden daher entweder, wie es die KP Chinas bereits getan hat, die Weltkonferenz überhaupt boykottieren, oder aber, falls sie an dem Treffen teilnehmen, dort mit Nachdruck den Pekinger Standpunkt vertreten.

Kuba kontra Kreml?