Ein (scheinbar?) verwandelter Goldwater trat vorige Woche in die amerikanische Wahlkampfarena. In der Schokoladenstadt Hershey besänftigte der konservative Präsidentschaftskandidat seine innerparteilichen Gegner vom liberalen Flügel mit einer maßvollen Rede. "Süße Vernunft floß wie Schokolade", schrieb die "New York Times".

Drei Wochen früher, als in seinem Terminkalender vorgesehen, gelang es Goldwater, die Partei wieder zu einigen. Sein Gegenkandidat Nelson Rockefeller und andere Zweifler stellten sich nun hinter den Senator aus Arizona, dessen "Ton und Haltung" sie begrüßten.

Die wertvollste Schützenhilfe kam von Alt-Präsident General Eisenhower, der mit wehenden Fahnen ins Goldwater-Lager überschwenkte. Er rühmte Barry Goldwater und Vizepräsidentschaftsbewerber William Miller als "mutige, geschickte, starke und integre Persönlichkeiten", die das Vaterland über ihre Person stellten. Eine Redewendung Goldwaters hatte es "Ike" besonders angetan: "Eine Regierung Goldwater–Miller wird sofort zu der bewährten Politik des Friedens durch Stärke zurückkehren, die ein Markzeichen der Eisenhowerschen Politik gewesen ist."

Auch in anderen Fragen gab sich Goldwater den Anschein, als wolle er lediglich die Politik des letzten republikanischen Präsidenten fortsetzen. "Ich glaube, daß wir uns so weit wie möglich der Vereinten Nationen bedienen und sie zu verbessern trachten müssen." Noch im Januar hatte er gedroht, die USA würden aus der UN ausziehen, sobald die Volksrepublik China einzöge.

Seinen ganzen moralischen Einfluß versprach Goldwater aufzubieten, um den Respekt vor dem Bürgerrechtsgesetz zu erzwingen. Diese Versicherung war nicht neu. Unerwartet kam jedoch seine Absage an die Extremisten in der Innenpolitik: "Ich suche weder die Unterstützung von Links- noch von Rechtsradikalen. In unserer Partei ist kein Platz für Rufmörder, Spitzel, Kommunisten und Gruppen wie den Ku-Klux-Klan, die anderen ihre Ansichten mit Terror oder Gewalt aufzwingen wollen."

Rockefeller wunderte sich, warum Goldwater nicht auch die halbfaschistische John Birch Society mitverdammte. "Weil sie nicht auf der schwarzen Liste des Justizministers steht", erwiderte Goldwater. "Der Ku-Klux-Klan steht drauf."

Doch die Geister, die er rief, wird Goldwater so leicht nicht los. Am anderen Tag schon verkündete der Ku-Klux-Klan ungerührt, seine Mitglieder würden im November für Goldwater stimmen.