Das gute Einvernehmen zwischen Senat und Presse in Berlin ist gestört. Einige Zeitungen verübeln Willy Brandt das Schweigen in der Passierscheinfrage. Senatskreise wiesen dagegen darauf hin, daß durch Veröffentlichungen über noch nicht abgeschlossene Gespräche bereits häufig Verhandlungen mit Ostberlin erschwert wurden. Zum offenen Konflikt kam es in der vergangenen Woche zwischen Senat und "Tagesspiegel", nachdem die Zeitung Details aus den Passierschein-Gesprächen veröffentlicht hatte. Der Senat drückte sein "Befremden" über die Indiskretionen aus. Der "Tagesspiegel" konterte: "Wer sich von Amts wegen darüber befremdet zeigt, daß Zeitungen überhaupt dem Unterrichtungsanspruch der Öffentlichkeit nachkommen, zeigt eine derartige Anmaßung, daß man leicht daraus schließen könnte, es fehle ihm völlig an der Einsicht in demokratische Strukturen und Verhältnisse." Unverständlich bleibt in Berlin, warum Willy Brandt sich mit einem Lokalblatt anlegte, das Meldungen verbreitete, die in ähnlicher Form eine Woche zuvor in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gestanden hatten. B