Kampener Gespräch mit Bundesaußenminister Schröder

Von Werner Höfer

Was ist des Deutschen Riviera? – Der Strand von Sylt. Was ist das deutsche Saint-Tropez? – Kampen. Unter den Kampenern gibt es von Saison zu Saison immer mehr newcomers und nouveaux riches; es gibt aber auch immer noch die „Freunde der ersten Stunde“, die „Altsassen“. Zu den Kampenern, die „dazugehören“, gehört ein Mann, der vor einem Menschenalter zum erstenmal mit seiner Frau auf die Insel gekommen ist und sich zu seinem 50. Geburtstag hier angesiedelt hat: Dr. Gerhard Schröder.

In einer Sackgasse, die sich im Sande verläuft, liegt – jetzt nur Ferienbleibe für die fünfköpfige Familie, später vielleicht Alterssitz für einen Staatsdiener im Ruhestand – das Haus„ATTERDAG“. Dieses Codewort stammt aus dem apokryphen Vokabular eines Dänenkönigs, zu dessen Reich das Eiland Sylt einst gehörte. Um eine Auskunft über die Bedeutung des dunklen Wortgebildes gebeten, meint die Hausfrau, damit solle die Hoffnung auf den anderen, besseren, den nächsten besten Tag beschworen werden.

Vor Haus „Atterdag“ weht eine schwarz-rotgoldene Fahne, die freilich nicht als Dienstflagge aufgezogen ist, denn der Hausherr ist nicht im Dienst. Er sitzt, in der Kampener Einheitskluft von Blazer, Pullover, Hose und Sandalen, zur Teestunde auf der Terrasse, mit der Lektüre der neuesten Ausgaben der amerikanischen Nachrichtenmagazine TIME und NEWSWEEK beschäftigt.

„Also doch im Dienst, Herr Minister?“

„Wer sich auf Politik einläßt, ist immer im Dienst.“