Deutschland ist wieder vertrauenswürdig geworden. Als Beweis für diese These kann jederzeit das neue deutsch-britische Devisenabkommen dienen. Es soll für die nächsten beiden Jahre sicherstellen, daß der Devisenaufwand der britischen Rheinarmee möglichst weitgehend durch deutsche Aufträge ersetzt wird.

An Stelle der kritiklosen Erstattung der Besatzungskosten und des Feilschens um den Stationierungsaufwand ist etwas Neues getreten: England vertraut darauf, daß sich die Bundesregierung nach besten Kräften um Aufträge in Großbritannien bemüht, die seinem Devisenaufwand für die Rheinarmee, ungefähr 900 Millionen Mark jährlich, entsprechen.

Da Rüstungsaufträge in diesem Umfange nicht zu erwarten sind, werden alle Aufträge der Bundesressorts und der bundeseigenen Unternehmen angerechnet. Hinzu kommen alle Aufträge privater in- und ausländischer Firmen für die britische Wirtschaft, die ohne Vermittlung Bonns nicht zustande gekommen wären.

Dem deutschen Beamten, der das Abkommen zustande brachte, Ministerialdirektor Feaux de la Croix vom Finanzministerium, mangelt es nicht an Ideen, wie das Abkommen zur Zufriedenheit der Engländer erfüllt werden kann. Die Vertreter beider Länder werden in einer gemischten Kommission, die das Abkommen überwachen soll, voraussichtlich nicht an Beschäftigungslosigkeit wegen Auftragsmangels leiden.

Ein leidiges Kapitel deutsch-britischer Beziehungen wäre abgeschlossen, wenn sich die Erwartungen erfüllen, die diesseits und jenseits des Kanals in das Abkommen gesetzt werden. Die deutsche Seite wird alles daransetzen, das ihr entgegengebrachte Vertrauen nicht zu enttäuschen. sim