Italiens Kommunisten machen sich Gedanken über die Nachfolge Palmiro Togliattis. Vierzig Jahre lang hat er die Partei mit fester Hand durch alle Kursänderungen und Richtungskämpfe geführt. Aber er versäumte es, wie der französische Kommunistenführer Thorez, einen "Kronprinzen" heranzuziehen. Nun werden mit den Diadochenkämpfen um Togliattis Thron wohl auch die Auseinandersetzungen in der Partei offen ausbrechen. Ein rechter und ein linker Flügel stehen sich gegenüber.

Die "Rechten" unter Amendola und Ingrao wollen die italienische KP noch weiter aus dem Einfluß Moskaus lösen, wünschen eine nationalkommunistische Politik, Demokratisierung in der Partei und innenpolitische Entspannung. Auf dem anderen Flügel steht der stärkste Mann der KP, Togliattis Stellverteter Luigi Longo. Trotz häufiger Besuche in Moskau scheint er Mao Tse-tung näher zu stehen als Chruschtschow. Longo fordert eine Verschärfung des Klassenkampfes mit "revolutionären Methoden." Nur die Autorität Togliattis hat es bisher vermocht, die feindlichen Lager in der Partei auf eine Mittellinie festzulegen.

Der einzige, der seine Vermittlerrolle vielleicht übernehmen könnte, ist der Chefredakteur des Parteiorgans "Unità", Mario Alicata.

Als Ausweg aus dem innerparteilichen Dilemma diskutieren die Kommunisten bereits die Möglichkeit, den Posten des Ersten Parteisekretärs überhaupt nicht wieder zu besetzen und die Führung einem Kollektiv zu übertragen. Vor erbitterten Richtungskämpfen würde die KPI allerdings auch diese Lösung kaum bewahren.

Aniello Verde