London, 4. August 1914 Nun, nach all dem Druck und der Erschütterung der vorangegangenen zehn Tage, überkam uns in der Admiralität eine ungewöhnliche Ruhe. Alle Entscheidungen waren gefällt. Das Ultimatum an Deutschland war heraus: es würde mit Sicherheit abgelehnt werden. Um Mitternacht würde der Krieg erklärt sein. Soweit wir das Ergebnis hatten vorhersehen können, waren alle unsere Vorbereitungen abgeschlossen. Die Mobilmachung war vollständig. Jedes Schiff war an seinem Platze; jeder Mann auf seinem Posten ... Im Kriegsbüro der Admiralität, wo ich wartend saß, konnte man die Uhr ticken hören. Von Parliament Street drang das Gemurmel der Menge herauf; aber es klang wie von ferne, und die Welt erschien sehr still. Der Tumult des Lebenskampfes war vorüber: ihm folgte das Schweigen der Ruinen und des Todes. Wir würden in der Hölle wach werden.

Ich hatte das sonderbare Gefühl, als ob ich auf ein Wahlergebnis wartete. Die Unruhe des Kampfes schien vorbei: die Stimmen wurden gezählt, und in wenigen Stunden würde das Resultat verkündet werden. Man konnte nur noch warten, aber auf welch ein Ergebnis!...

London, 3. September 1939 Die Radiorede des Premiers brachte uns die Mitteilung, daß wir bereits im Krieg standen; er hatte kaum zu sprechen aufgehört, als ein seltsamer, langgezogener klagender Laut, der uns später vertraut werden sollte, an unsere Ohren drang. Meine Frau trat ins Zimmer, sichtlich angeregt vom Alarm, und äußerte sich anerkennend über die deutsche Präzision und Pünktlichkeit, dann stiegen wir in den obersten Stock des Hauses, um zu sehen, was los war. Ringsum ragten die Dächer und Türme Londons ins klare, kühle Septemberlicht. Über ihnen schwebten schon langsam etwa dreißig oder vierzig Ballons in die Höhe. Für dieses unverkennbare Anzeichen der Bereitschaft erteilten wir der Regierung eine gute Note. Da inzwischen die viertelstündige Schonfrist, die man uns in Aussicht gestellt hatte, nahezu abgelaufen war, machten wir uns auf den Weg nach dem uns zugewiesenen Unterstand, mit einer Flasche Kognak und anderen medizinischen Linderungsmitteln bewaffnet.

... Nach etwa zehn Minuten ertönte abermals der Klagelaut... dann lief ein Mann die Straße entlang und rief: "Entwarnung!" Wir kehrten in unsere Wohnungen zurück, jeder zu seiner Beschäftigung. Die meine führte mich ins Unterhaus, das pünktlich um zwölf Uhr zusammentrat, mit seinem geruhsamen Verfahren und dem kurzen, eindrucksvollen Gebet... Ich fühlte eine stille Gelassenheit, als wäre ich gleichsam über alle menschlichen und persönlichen Dinge emporgehoben. Die Glorie Alt-Englands, das so friedliebend und so schlecht gerüstet war, aber voller Eifer und furchtlos, wenn der Ruf der Ehre erscholl, durchdrang mich ganz; unser Los schien in jene weit über irdische Dinge und physische Empfindungen erhabene Sphäre entrückt. Ich bemühte mich in meiner Rede, dem Unterhaus etwas von dieser Stimmung zu vermitteln, nicht ganz ohne Erfolg.