P. St., München

Was der großen Welt die Seeschlange von Loch Ness, das ist den Bayern die Prügelstrafe: Regelmäßig zur Sommerszeit taucht das Thema in der öffentlichen Diskussion auf. Daß mit dieser Ordnung auch in diesem Jahr nicht gebrochen wurde, dafür sorgte der Staatssekretär im bayerischen Kultusministerium, Erwin Lauerbach, der eine entsprechende Anfrage der SPD-Opposition im Landtag beantwortete. Die Abgeordnete Gerda Laufer bezog sich auf den sogenannten Prügel-Report, den das Münchner Institut für Jugendforschung vor wenigen Wochen veröffentlicht hatte. Nach diesem Report haben in Bayern 78 Prozent aller Jungen und 49 Prozent aller Mädchen mindestens einmal während ihrer Schulzeit Schläge mit dem Stock bezogen; Ohrfeigen hatten 67 Prozent der Jungen und 45 Prozent der Mädchen bekommen.

Nein, sagte Lauerbach, Prügel seien bestimmt kein Mittel, um das Lernen zu fördern oder schlechte Leistungen zu verbessern. Die bayerische Staatsregierung strebe daher an, daß die Prügelstrafe auch aus den bayerischen Schulen ganz und gar verbannt werde.

Dieses Bekenntnis des Staatssekretärs fiel in die noch lange Wochen dauernden großen Ferien. Mancher gramgebeugte Volksschullehrer auf dem Lande hat also noch Zeit und Muße, sich auf das neue Lüftchen vom Münchner Salvatorplatz einzustellen. Gewiß wird mancher erfahrene Pädagoge grollen: In München rede man leicht daher. Und dem Kultusministerium wird man vorhalten, wie denn wohl in einer ländlichen Klasse mit 60 Schülern die Disziplin ohne die ortsübliche "Watsch’n" gewahrt werden solle?

Natürlich gibt es in den bayerischen Gefilden immer noch Lehrer, die sich auf ein über zweihundert Jahre altes Gewohnheitsrecht körperlicher Züchtigung berufen. Doch sie sind Außenseiter. Häufiger sind da schon Lehrer, die die Schuld dem Staat in die Schuhe schieben wollen. So schrieb jüngst einer von ihnen seiner Zeitung, daß jede "Watsch’n" und jeder Schlag auf das Hinterteil mit dem Rohrstock eigentlich dem Staat gelte, der sich gefälligst darum kümmern sollte, vernünftige Voraussetzungen für eine "prügellose" Erziehung seiner Jugend zu schaffen. Auf eine einfache Formel gebracht: mehr Klassen, weniger Haue.

Aber auch solche Lehrerlogik will das bayerische Kultusministerium in Zukunft nicht mehr gelten lassen. Seine Devise lautet: geprügelt wird nicht!