Unser Kritiker sah:

Komödie von Julius Hay

Europa-Studio 1964, Salzburg

Mit der dritten und letzten Uraufführung stellte das Europa-Studio im Salzburger Landestheater eine politische Satire vor. Ihr Autor, der 64jährige Ungar Julius Hay, hat 1930 mit gesellschaftskritischen Stücken begonnen. Im Berlin von 1932, wo Hay sich niedergelassen hatte, lief die SA gegen "Gott, Kaiser und Bauer" Sturm. Nach Emigration und Remigration landete Hay auch in seiner Heimat im Gefängnis, weil er den ungarischen Volksaufstand von 1956 mit vorbereitet hatte. Seit 1960 amnestiert, darf der Dramatiker jetzt wieder in westliche Länder reisen. In Ostdeutschland sind seine Stücke zuerst aufgeführt worden. Inzwischen wurde die Giftmörderinnen-Story "Haben" auch in Stuttgart, Essen und im Deutschen Fernsehen gezeigt. Für sein repräsentatives Comeback hält Hay mehrere Uraufführungen bereit: "Attilas Nächte" ist vom Wiener Burgtheater, "Der Barbar" von den Kölner Städtischen Bühnen angenommen worden. Mit zwei alten und zwei neuen Stücken in einem Band stellt ein Rowohlt-Paperback den charaktervollen ungarischen Kämpfer auch einem deutschen Lesepublikum von neuem vor.

"Das Pferd" – es ist der weiße Hengst Incitatus, der dem römischen Kaiser Caligula mittels eines Wett-Tricks die leere Staatskasse auffüllt und darum zum Konsul ernannt und mit göttlichen Ehren dekoriert wird. Alle römischen Familien von Stand versuchen nun, ihre Töchter mit dem Apfelschimmel zu verheiraten. Die grotesken Situationen reißen nicht ab; die Posse senkt sich bis zur Zote. Der Autor gewinnt aus einer Variante der literarischen Tierfabel zahllose Möglichkeiten, speichelleckende Unterwürfigkeit und feile Karrieremachern als Folge des "Personenkults" zu demonstrieren.

Die Farce amüsiert, macht aber nicht betroffen. Komödiantisch noble Hilfe erhielt die Uraufführung durch Boy Goberts Inszenierung – bemerkenswertes Regisseurdebüt des beliebten Wiener Schauspielers (aus Hamburg). Toni Busingers Bühnenbilder wären allerdings geeigneter gewesen für das absurde Stück, das Hay nicht geschrieben hat. Klausjürgen Wussow wahrte dem verrückten Kaiser einen Rest von "heldischem" Charakter. Sein Gegenbild hätte der junge Mann aus der Provinz sein sollen, der den Hengst nach Rom brachte. Peter Striebeck hatte dafür nur Naivität und Mutterwitz einzusetzen. Schauspielerischer Gipfelpunkt: Hannelore Schroth. Wie sie als des Kaisers Geliebte ihr "Gottchen" behandelte, das saß in Ton und Geste und machte eine Stilmöglichkeit für das Ganze sichtbar. Der Publikumserfolg war groß.

Johannes Jacobi