Die Beatles-Ente des Uwe Johnson

Von Marianne Eichholz

Berlin

Die Beatles, Englands singend Pilzköpfe, sind unversehens in die deutschen West-Ost-Händel geraten. Als Fiktion vorerst, journalistisch ausgedrückt: als Ente, die Uwe Johnson in einem Anfall närrischen Unmuts von seinem Westberliner Domizil aus fliegen ließ.

Am 12. August saß Johnson, seit Juni Ostfernsehberichterstatter des "Tagesspiegel", wie täglich vor dem Bildschirm. Was er sah, stand zwei Tage darauf im Blatt: Finsteren Blickes habe ein junger bärtiger Ansager den DDR-Bürgern eine Überraschung angekündigt, nämlich "Leute mit heiklen Frisuren, die übrigens auch so Sachen singen". Gemeint war der Beatles-Film "Yeah! Yeah! Yeah!". Dichter Johnson spann sein Netz (und man wird sehen, daß es ein Fanggarn sein sollte) so aus: "Nichts war unter die Schere parteiischer, Kulturpolitik gekommen, nicht ... Ringos Lächeln und Seelenschmerz, nicht das wilde Gerenne der Ruhmverfolgten, nicht das Gekrächze der Verehrerinnen..., sogar der erstaunliche Onkel habe durch die sächsische Nachsynchronisation noch gewonnen."

Die Beatle-Lockente war placiert. Daraufhin würden ja nun wohl, hatte sich der Rezensent überlegt, Leser entweder sich die Augen reiben, den Versuch machen, herauszubekommen, ob die Beatles tatsächlich von Adlershof ausgestrahlt worden waren oder sich über die Falschmeldung ärgern.

Auf alle Fälle aber, so vermutete der Fernseher Johnson, würden sie reagieren, zum Kugelschreiber oder Telephonhörer greifen. Das hätte bedeutet, daß der richtige Fang in des Meinungsbildner Johnsons Netz gegangen wäre, nämlich heller, kritischer Staatsbürgersinn.