,Lücken"haft

Diether Stolze: "Endlich Ordnung auf dem Wohnungsmarkt", ZEIT Nr. 34

Diether Stolzes Verteidigung der hohen Wohnungsmieten erscheint mir in ihrer Begründung etwas "Lücken" haft. Sie wärmt die bekannte Formel vom "Steuerzahler" wieder auf, dessen linke Hand dem Staat angeblich das wiedergeben muß, was die rechte erhalten hat, eine Formel, die schon zu oft zur Begründung unsozialer Maßnahmen herhalten mußte, als daß sie noch überzeugen könnte. Wenn Herr Stolze argumentiert, daß wir "als Steuerzahler bezahlen müssen, was wir als Mieter sparen", so setzt er dabei die Summe aller Steuerzahler derjenigen aller Mieter gleich. Die Glieder dieser Summen jedoch sind Menschen, die sich nicht wie Nummern addieren lassen, und darum geht die Rechnung nicht auf!

Die Kleinfamilie, bei der meist beide Eheleute berufstätig sind, findet heute leicht die passende Wohnung, sie könnte dabei auch eine gewisse Steuererhöhung noch verkraften. Dagegen würde das Einkommen einer fünf- oder mehrköpfigen Arbeitnehmerfamilie, die fast in jedem Fall auf nur einen Verdiener angewiesen ist, sich bei einer Änderung der Steuersätze nur geringfügig verschieben. Auf eine ihr angemessene Wohnung jedoch wird diese Familie – durch andere Preissteigerungen ohnehin stärker betroffen – verzichten müssen, solange dafür 300 oder 400 DM monatlich und hohe Vorauszahlungen verlangt werden. Die vielgerühmten Mietbeihilfen müssen angesichts dieser Preise wie ein billiges Trostpflästerchen wirken.

Roland Hoffmann, Erbsen bei Göttingen

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"Höhere Mieten sind nicht unsozial, sondern wirtschaftlich und vernünftig." Dieser neben der Überschrift stehende Leitsatz bestimmt den ganzen Artikel, welcher Mieterverband und "andere Gruppen" verantwortlich macht für den angeblich durch die Aufhebung der Wohnraumbewirtschaftung entfachten "Entrüstungssturm". Niemand von uns Mietern, die wir im "Mieterbund" (früher "Mieterschutz") zusammengeschlossen sind, hat sich in der Öffentlichkeit über die Aufhebung der Wohnraumbewirtschaftung oder über die Erhöhung der Altbaumieten entrüstet. Wir verlangten und verlangen jedoch eine eindeutige Abgrenzung, wo das "vernünftige" Anrecht des Vermieters zur Mieterhöhung aufhört und wo der Mietwucher anfängt!