Von Hans W. Jürgens

Das Thema Entwicklungshilfe wird immer seine Interessenten finden, sei es im positiven oder negativen Sinne. Entweder ist es schlicht das Interesse für fremde Länder, oder es ist in diesem Zusammenhang die Verwendung der Steuergelder, die den einzelnen veranlassen, sich mit den Problemen der wirtschaftlich noch rückständigen Länder zu beschäftigen.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen fast immer die Zweckentfremdung der Hilfsmittel und Berichte oder Gerüchte über die Korruption in den Entwicklungsländern. Berichte über wirkliche oder angebliche Fälle von Korruption lassen sich auch viel besser an den Mann bringen. Das berühmte goldene Bett der Madame Edusei, die großen Repräsentationswagen der Politiker und Diplomaten aus Entwicklungsländern, Überschriften "Und das alles von unserem Geld", vergleichende Berechnungen über die Einkom-

Hans W. Jürgens, Privatdozent an der Neuen Universität Kiel, kennt die Verhältnisse in Afrika aus eigener Erfahrung. Er weilte für längere Zeit im Zusammenhang mit einem Forschungsauftrag der Kieler Universität in Liberia.

mensverhältnisse von bundesdeutschen und Staatsmännern der Entwicklungsländer und vieles andere bilden eine fortlaufende Reihe einer Berichterstattung, die zwar von ursprünglich richtigen Fakten ausgehen mag, in ihrer Tendenz aber sehr einseitig ist. Hier wird auf eine besonders empfindliche Stelle des Steuerzahlers gezielt.

Auf der anderen Seite finden sich Publikationen derer, die die Entwicklungshilfe fördern. Von dieser Seite wird betont, daß es sich bei den Entwicklungshilfezahlungen um Kredite mit (mehr oder weniger) strenger Zweckbindung handele. Dem über Korruptionsfälle empörten Zeitungsleser wird ungenügende Einsicht oder auch mangelnde Einsichtsfähigkeit und -willen vorgeworfen.

Betrachtet man die von beiden Seiten angeführten Fakten zunächst ohne jede Wertung, so entspricht es zweifellos den Tatsachen, daß von einzelnen Angehörigen der Entwicklungsvölker ein persönlicher Aufwand getrieben wird, der nicht unseren Vorstellungen von einem Hilfsbedürftigen entspricht. Das vielzitierte goldene Bett mag hierfür als Symbol gelten. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß es auch in den ärmsten Nationen stets und zu allen Zeiten vermögende Personen gibt, nur daß diese nicht für ihr Land repräsentativ sind. Zum anderen fällt dieser gehobene Aufwand deswegen besonders auf, weil er nicht unseren Vorstellungen von Konsum- und Verhaltensnormen entspricht. Ein Vielfaches des Betrages, der für das goldene Bett gezahlt wurde, hätte für andere, weniger auffällige Konsumgüter angelegt, kaum ein Aufsehen in der Öffentlichkeit gefunden.