HPB, Hamburg

Am Sonnabendnachmittag ist es jetzt in Hamburg zeitweise unmöglich, von einem Stadtteil in den anderen zu kommen. Wer von Blankenese, Lurup oder Schenefeld nach Eidelstedt, Niendorf, Schnelsen oder zum Flughafen Fuhlsbüttel will, muß Umwege von vielen Kilometern fahren, und wer sich nicht ganz genau auskennt, gelangt überhaupt nicht an sein Ziel. Denn am Sonnabendnachmittag spielt der HSV im Volksparkstadion Fußball, und aus diesem Anlaß sperrt die Hamburger Polizei kurzerhand die Straßen für alle, die gegen den großen Strom schwimmen wollen. Sie sperrt vor allem die einzige Querverbindung, die in dieser Gegend unter der Eisenbahnlinie Altona–Pinneberg hindurchführt. Umleitungen sind nicht angezeigt, es gibt auch gar keine zumutbaren Ausweichwege. So erging es einem, der am 22. August, dem ersten Spieltag der Bundesliga, von Schenefeld über Lurup nach Schnelsen wollte:

In Lurup leitet mich ein Polizist in einen Schwarm von Wagen, die zum Parkplatz am Stadion wollen. "Ich will aber gar nicht zum Fußball" erkläre ich ihm. "Das macht nichts, fahren Sie hier rechts ’rum und biegen Sie dann links ab!" Also fahre ich auf den Parkplatz. Schon von weitem winkt der nächste Beamte – fürsorglich will er mich weiter nach rechts zum Parken dirigieren. "Ich will nicht zum Stadion..." Da läßt er mich links abbiegen.

Also schaukele ich über löcherige, staubbedeckte Wege zwischen Wiesen und Kleingärten – hinter mir mehrere, die auch nichts vom Fußball wissen wollen – und erreiche schließlich wieder die Hauptstraße. Es ist dieselbe, von der mich der erste Polizist hinweggeleitet hatte.

Nach wenigen Metern – der nächste "Freund und Helfer". Es entspinnt sich folgender Dialog: "Ich will nicht zum Stadion!" – "Hier können Sie nicht durch; Sie müssen umkehren und über Schenefeld und Schnelsen." – "Aber ich komme doch gerade von Schenefeld; dies ist der nächste Weg!" – "Egal, hier geht es nicht weiter!"

Also wende ich, zur Freude derer, die hinter mir sind. Auf der Straße zurück nach Schenefeld sind wir schon eine hübsche Kolonne. Wir fahren durch Staubwolken und über einen Weg, der nur aus Löchern besteht. Aber warum aufregen – der Wagen hat ja neue Stoßdämpfer. Die Unterführung allerdings, die wir suchen, gibt es nicht. Wir fahren einen großen Kreis und kommen an die Straße, auf der wir einige Hundert Meter weiter unten gewendet hatten.

Vor uns ein Polizeibeamter. Er hält den Weg frei für die Fußballfreunde – aber gleich wird er ihn uns freigeben. Der Fahrer vor mir ist ausgestiegen, hat mit dem Beamten gesprochen. Jetzt erzählt er: "Wir müssen zwanzig Minuten warten, bis der Gegenverkehr durch ist."