Von Victor Gero

Wir werden gegen die Hersteller von Pflanzenölprodukten gesetzlich vorgehen, falls diese Firmen weiterhin mit Bezeichnungen wie ‚reich an ungesättigten Fettsäuren‘ oder ‚cholesterinarm‘ angepriesen werden. Derartige Slogans nämlich erwecken bei einem großen Teil der Bevölkerung die keineswegs begründete Hoffnung, man könne durch den Genuß solcher Nahrungsmittel Herz- und Arterienerkrankungen vorbeugen oder diese Leiden gar heilen."

Diese Warnung erließ die "US Food and Drug Administration", die amerikanische Behörde zur Überwachung der Lebens- und Arzneimittelherstellung. Das Amt hatte ein New Yorker Institut für Demoskopie damit beauftragt, festzustellen, welche Assoziationen die Behauptung hervorruft, ein Nahrungsmittel sei arm an Cholesterin oder reich an ungesättigten Fettsäuren oder beides.

Das Ergebnis der Befragung von 780 erwachsenen Personen aus 29 über den ganzen Kontinent verteilten Groß- und Kleinstädten: Fast jeder zweite Amerikaner hält Cholesterin – ein Fettbaustein, der im menschlichen Organismus wichtige biochemische Funktionen erfüllt – für eine schädliche Substanz, die Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall verursacht, ungesättigte Fettsäuren dagegen für eine Art Heilmittel bei Herz- und Kreislaufschäden. Dieses Resultat war der amerikanischen Behörde Anlaß genug, gegen die Werbung mit jenen Begriffen einzuschreiten.

Tatsächlich hat die Wissenschaft die Frage nach den Ursachen der Atherosklerose bis jetzt nicht beantworten können, und ob der Genuß bestimmten Nahrungsmittel überhaupt zur Entstehung oder Verschlimmerung dieser Krankheit beiträgt, ist noch unbekannt. Jahrelang hatte man zwar geglaubt, daß zwischen dem übermäßigen Konsum von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin, die zum Beispiel in der Butter und im Kokosnußöl reichlich enthalten sind, und den atherosklerotischen Veränderungen der Arterienwände ein Kausalzusammenhang bestünde, aber diese Theorie ist in letzter Zeit mehr und mehr angezweifelt worden. Ja, in einer Veröffentlichung des New England Journal of Medicine (2. Juli) wird diese These geradezu auf den Kopf gestellt.

Besonders die mehrfach ungesättigten Fette in der Nahrung sind es, die – in größerem Maße als die gesättigten – von den Arterienwänden gespeichert werden, stellt der bekannte Ordinarius für Präventivmedizin an der Harvard-Universität, Professor David D. Rutstein, fest.

Dr. Rutstein kam durch eine lange Reihe von Laboratoriumsexperimenten zu diesem überraschenden Ergebnis: Er ließ Zellkulturen von den Wänden des größten menschlichen Blutgefäßes, der Aorta, in einer mit Blut vermischten Flüssigkeit wachsen und prüfte nach angemessener Zeit, wieviel Fett die Zellen aus dem Blut absorbiert hatten. Blutspender für diese Versuche waren zwölf gesunde Freiwillige aus einer Besserungsanstalt. Das Serum wurde den Versuchspersonen vor und nach bestimmten Testmahlzeiten abgezapft. Diese Mahlzeiten enthielten Fette verschiedener Herkunft und Mengen; eines dieser Essen war fettfrei und bestand fast nur aus Kohlehydraten. Schließlich mußten die Spender ein paar Tage vor einer weiteren Blutentnahme fasten.