Theodor W. Adorno: "Des Meisters Worte und der Enkel Sinn" (I), ZEIT Nr. 30

Johannes Jacobi: "Des Meisters Worte und der Enkel Sinn" (IV), ZEIT Nr. 33

Herr Adorno behauptet hier, daß die Schlußansprache des Hans Sachs exponiert nationalistische Stellen enthalte und Mime und Beckmesser schmähliche Juden-Karikaturen seien. Da ich seit Jahren die Arbeiten von Herrn Adorno verfolge, wundert es mich nicht, daß er den Unterschied zwischen "national" und "nationalistisch" nicht begreifen kann. Die "Meistersinger" sind drei Jahre vor der Reichsgründung uraufgeführt worden, und wenn Herr Adorno sich "in den Geist der Zeiten" zu versetzen wüßte, würde er einen solch hahnebüchenen Unsinn nicht schreiben. Der prononcierteste Satz der Ansprache "was deutsch und echt wüßt’ keiner mehr, lebt’s nicht in deutscher Meister Ehr’" hat gerade im Dritten Reich für die, die zu denken vermochten, einen besonderen Wahrheitsgehalt gehabt, blieb doch das, was unsere großen Meister auf geistigem Gebiet geleistet haben, das einzige, auf das wir Deutschen noch stolz sein konnten.

In den Gestalten von Mime und Beckmesser jüdische Karikaturen zu sehen, ist zumindest ein Einfall, dessen Urheberrecht Herr Adorno sich schützen lassen kann. Der Mime ist eine mythologische Gestalt und Beckmesser ein Mitglied der Zunft, die ja niemals Juden aufgenommen hat.

Nicht nur mir, der ich die Meistersinger unzählige Male gehört habe, sondern auch meinen jüdischen Freunden ist noch niemals der Gedanke gekommen, in der Charakterisierung dieser beiden Gestalten eine Verhöhnung des Judentums zu sehen.

Kurt Christian Zinnkann, Gütersloh

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