Winfried Scharlau: "Kloster und Konzentrationslager", ZEIT Nr. 31

Mir scheint, daß der Rezensent es sich mit der Besprechung über das Buch von General W. Warlimont "Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht" ein wenig einfach gemacht hat. Er weist auf den "begrenzten politischen Horizont" des Generals hin und würde bei genauem Studium doch feststellen müssen, daß gerade diesem Offizier ein hohes Maß an politischem Denken zu eigen ist, wofür das Buch zahlreiche Belege bringt.

Was die Person des Generalobersten Jodl angeht, so scheinen auch hier mir Vereinfachungen vorzuliegen. Wenn der Herr Rezensent meint, General Warlimont habe in sehr maßvoller Kritik vermeiden wollen, seinen einstigen Vorgesetzten zu belasten, so war der Vorsitzende des Deutschen Soldatenbundes, General G. Matzky, hierin anderer Meinung (vergl. "Soldat im Volk", Maiausgabe 1963). Der Rezensent bezeichnet Jodl als "schillernde Persönlichkeit", als "devot" und "skrupellos ehrgeizig". Ein devoter Offizier würde kaum, wie Jodl es tat, Hitler ins Gesicht sagen, er könne sich nicht wundern, wenn sich der Geist des 20. Juli im Generalstab breitmache (nach der Verhaftung des Obersten von Bonin), und was den persönlichen Ehrgeiz anbelangt, so hat ein Historiker von Weltruf, Professor Percy Schramm, diesen vor dem IMT in Nürnberg "auf das strikteste" verneint. Den Ehrgeiz, seinem Lande zu dienen, hat Jodl vor dem Tribunal bejaht, den könne man ihm ruhig vorwerfen. Aber kein anderer als General Heusinger hat Jodl bestätigt, daß er "mit bestem Willen, heißem Herzen und kühlem Verstände bestrebt war, zu retten was zu retten war". Das Schicksal stellte General Jodl auf einen Posten mit unlösbaren Aufgaben. Er mußte dafür mit dem Tode am Galgen bezahlen.

Luise Jodl (Witwe des Gen.-Ob. A. Jodl),

München