Aus den zahlreichen bei uns eingegangenen Schreiben von Kurt Ziesel veröffentlichen wir noch einmal zwei Briefe. Die Auseinandersetzung Ziesels mit seinen Münchner Gesinnungsgenossen und der Rechtfertigungsversuch gegenüber, einem anderen Leserbrief bedürfen keines Kommentars.

Leserbrief Bodo Herzog: "Vergeßlicher Ziesel", Zell Nr. 31

Das von Ihnen veröffentlichte Zitat aus meinen Buch "Das verlorene Gewissen" ist aus den Zusammenhang gerissen. Ich habe dieses Zitat keineswegs "vergessen", sondern es bezieht sich nicht auf die militärischen Dienstleistungen eines Kriegsberichters. Die Feststellung in meinen Buch, daß im Dritten Reich niemand gezwungen werden konnte, etwas zu schreiben, was nicht seine Meinung war, bezog sich ausschließlich auf die zivile berufliche Tätigkeit der Schriftsteller und Journalisten, wie sich aus dem von Ihnen nicht veröffentlichten Nachsatz ergibt, in dem es heißt, daß jeder seinen gutbezahlten Redaktionssessel aufgeben konnte. Über die Vorschriften für Kriegsberichter, bestimmte Themen unter Zwang zu schreiben, habe ich ausdrücklich zwei Seiten vorher in dem gleichen Buch "Das verlorene Gewissen" bereits vor sieben Jahren geschrieben. Meine Erklärung in der ZEIT über das Entstehen meines Kriegsberichtes im Jahre 1944 stimmt daher völlig mit dem überein, was ich in meinem Buch "Das verlorene Gewissen" darüber geschrieben habe.

Kurt Ziesel, Breitbrunn/Chiemsee

*

Elmar Altvater: "So fing es schon einmal an...". ZEIT Nr. 31, und Leserbrief Elmar Trautenberg: "Strafantrag gestellt", ZEIT Nr. 34

Herr Trautenberg schreibt, daß der Inhalt des von Ihnen zitierten Flugblattes Parolen enthält, die lediglich Thesen Ziesels enthalten. Das ist unrichtig. Das fragliche Flugblatt habe ich erst eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrages zu Gesicht bekommen und dem Verfasser, Herrn Harald Bock, vom ASST München, der die Veranstaltung leitete, Vorwürfe über den Inhalt dieses Flugblattes und die Diktion der darin enthaltenen Parolen gemacht und ihm erklärt, daß ein solches Flugblatt meinen Auffassungen widerspreche. Herr Bock gab mir recht und entschuldigte sich bei mir, daß er dieses Flugblatt ohne Rücksprache mit mir verfaßt und verbreitet habe.