Über diese vielleicht in erster Linie für den Soziologen wesentlichen Punkte geht Mills hinaus, indem er an jeden Wissenschaftler, für den der Mensch und die Gesellschaft Forschungsobjekte sind, die Forderung stellt, die Grenzen der traditionellen und in ihrer Trennung erstarrten Disziplinen – wie etwa Nationalökonomie, Geschichte oder Psychologie – jederzeit zu überschreiten, sich zunächst als Sozialwissenschaftler (und dann erst als Vertreter einer Spezialdisziplin) zu verstehen, der ein Problem nicht auf die Aspekte seines Faches reduziert sieht, sondern seine Arbeitsmethode von den Erfordernissen der Fragestellung bestimmen läßt.

Die nicht eben neuen Fragen des Elfenbeinturmes und der gesellschaftlich-politischen Verantwortung, des engen Spezialistentums und der interdisziplinären Forschung sind in den letzten zehn Jahren kaum so klar umrissen und so engagiert und überzeugend beantwortet worden wie von C. Wright Mills.

Es ist ein Buch, das mir als ein „Muß“ für jeden Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler erscheint, den Altphilologen ebenso wie etwa den Anthropologen, der sich nicht mit kritikloser Übernahme des Selbstverständnisses und der Wertsysteme seiner Disziplin aus dem neunzehnten Jahrhundert begnügt. Aufgelockert wird die Lektüre zudem noch durch eine Reihe brillanter und aufschlußreicher Exkurse, etwa über „akademische Cliquen“ oder die Arbeitsweise des Soziologen C. Wright Mills.

Daß ein solches Buch der Publikation in der Bundesrepublik für wert befunden wurde, ist erfreulich und beinahe erstaunlich. Um so betrüblicher ist der komplette Fehlschlag der Übersetzung.