Kiel hat einen neuen Skandal – Der Fall Asbach

H. W., Kiel

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Der Pressedezernent im schleswig-holsteinischen Justizministerium, Bührke, hatte bekanntgegeben, daß gegen den früheren schleswig-holsteinischen Sozialminister Hans Adolf Asbach beim Oberstaatsanwalt in Kiel ein Ermittlungsverfahren anhängig ist. Asbach soll an Aktionen zur Vernichtung der Juden im Osten teilgenommen haben. Die Unterlagen stammen von der Ludwigsburger Zentralstelle zur Ermittlung von NS-Verbrechen. – Mehr freilich sagte der Sprecher des schleswigholsteinischen Justizministeriums nicht. Über Einzelheiten, so meinte er, werde er zu gegebener Zeit etwas mitteilen. Die Frage eines Journalisten, ob Asbach unter diesen Umständen noch weiter Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft bleiben könne, die in der Regie des Landes steht, blieb unbeantwortet.

Asbach selber erklärte bereits am nächsten Tag einem Vertreter der „Deutschen Presse-Agentur“, ihm sei von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn nichts bekannt. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien unwahr. Die gleiche Erklärung gab er auch auf einer Landesvorstandssitzung der Gesamtdeutschen Partei ab, der er immer noch angehört.

Auf der Welle des BHE

Damit ist plötzlich wieder ein Mann in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, der jahrelang im BHE an hervorragender Stelle stand, der später in der Nachfolgeorganisation der GDP/BHE eine führende Rolle spielte, und um den es dann still wurde, als auch diese Partei in der Versenkung verschwand. Doch gehörte Asbach nicht nur zu den Mitbegründern des BHE in Schleswig-Holstein. Auf Grund der großen Abgeordnetenzahl des BHE im schleswig-holsteinischen Landtag 1950, erhielt er einen Platz im Landeskabinett. Von 1950 bis 1957 war er, mit einer kurzen Unterbrechung, stellvertretender Ministerpräsident. Zunächst im Kabinett Friedrich Wilhelm Lübkes, später unter dem jetzigen Bundesverteidigungsminister von Hassel.

1957 wurde Asbach aus dem Kabinett entfernt. Seine politischen Eskapaden mochte der damalige Ministerpräsident von Hassel nicht länger dulden. Manche Eingeweihten meinten, seine Unfähigkeit habe Asbach das Genick gebrochen. Zwar wurde er nicht offiziell „gefeuert“, er selber erklärte seinen Rücktritt. Aber es ist ein offenes Geheimnis in Kiel, daß das damals unter Druck geschah. Wesentlich dazu beigetragen haben mag seine Behauptung, der dritte Bundestag habe – weil der BHE durch ein „undemokratisches Wahlrecht“ aus ihm hinausmanövriert worden sei – nicht mehr die Legitimation, in Fragen Ostdeutschlands eine Entscheidung zu treffen. Diese Erklärung rief nicht nur seine Gegner in den anderen Parteien auf den Plan, sie fand auch scharfe Kritik in seiner eigenen Fraktion.