Um die Außenpolitik der Bundesregierung stünde es besser, wenn der Kanzler nur die richtigen Ratgeber und, vor allem, den richtigen Minister hätte – dies ist das ständig wiederkehrende Argument jener Politiker und Publizisten, denen die ganze Richtung in Bonn nicht mehr paßt. Das Argument wird mit wütender Polemik vorgegetragen, so im „Rheinischen Merkur“: „Das Maß der Mißgriffe des Bundesaußenministers ist jetzt wirklich übervoll“; mit bissiger Ironie, so im „Bayern-Kurier“: Wenn das Berliner Passierscheinabkommen verbessert werde, dann sei dies nur den „harten“ Politikern zu verdanken; und als freundschaftlicher Ratschlag, so in der „Bildzeitung“: Durch ihn (Schröder) fällt der Kanzler von einer Schwierigkeit in die andere. Daß Erhard trotzdem zu Schröder hält, ist zwar menschlich sehr nett, aber es ist keine kluge Politik.“

Diese Kritiker schätzen Ludwig Erhards Fähigkeit, die Richtlinien der Politik zu bestimmen, offenbar nicht allzu hoch ein. Das ist ihre Sache. Gefährlich aber wird es, wenn sie Erhard den Ratschlag erteilen, er möge sich von seinem Außenminister trennen, um damit, wie „Bild“ insinuiert, die anschwellende Woge der Kritik an der Amtsführung des Kanzlers zu dämpfen. Ganz so, als müsse Ludwig Erhard, um sich selbst zu retten, seinen Außenminister opfern – wenn nicht gleich, so doch spätestens nach der nächsten Bundestagswahl.

Ein perfider Ratschlag! Ginge der Kanzler darauf ein, einem Minister aufzukündigen, dessen Politik er bisher erklärtermaßen aus eigener Überzeugung unterstützt hat, so verspielte er damit nicht nur seinen menschlichen, sondern auch seinen politischen Kredit. Erhard ist zu klug, um nicht zu sehen, daß ihm da in der Verkleidung eines freundschaftlichen Ratschlages nahegelegt wird, er solle die Richtlinien der Politik anderen überlassen; zu klug auch, um nicht zu erkennen, daß die Annahme dieses Angebots nichts anderes bedeutet als seine Abdankung auf Raten. R. Z.