Von Margret Hofmann

Die Autorin dieser Besprechung ist eine Deutsche, die jetzt in Austin (Texas) verheiratet ist. Sie hat die Besprechung der amerikanischen Ausgabe des Buches für eine amerikanische Zeitschrift geschrieben und auf unsere Bitte für uns ins Deutsche „rückübersetzt“. Die Tatsache, daß sie sich ursprünglich an amerikanische Leser wandte, erklärt manche Wendung. Wir haben aber geglaubt, diese Stellen nicht streichen zu sollen, da sie zu dem Reiz dieses Aufsatzes gehören. – Das Buch ist jetzt auch in deutscher Übersetzung erschienen:

David Irving: Der Untergang Dresdens; Verlag Sigbert Mohn, Gütersloh; 319 S., 19.80 DM.

Der wahrscheinlich größte Massenmord der gesamten Menschengeschichte, der in der Spanne eines einzigen Tages stattfand, wurde nicht von der Bevölkerung von Hiroshima erduldet, wie man zuerst fast automatisch annimmt, sondern von den Bewohnern von Dresden. Zehn Wochen vor Kriegsende (in Europa) wurde diese deutsche Stadt durch zwei britische Nachtbomberangriffe, denen ein amerikanischer Tagesangriff folgte, innerhalb von vierzehn Stunden fast völlig zerstört. Dieser Katastrophe fielen 130 000 Menschen zum Opfer, fast doppelt so viel, wie in Hiroshima umkamen.

Bis David Irving, nach drei Jahren umfangreicher und gewissenhafter Forschungsarbeit, sein Buch „The Destruction of Dresden“ veröffentlichen ließ, wurde die Zahl der Opfer von einem Minimum von „nur“ 45 000 bis zu einem Maximum von zehnmal so viel geschätzt. Der Umfang der Katastrophe war so groß, daß es jahrelang nicht einmal möglich war, die Anzahl der Opfer auch nur annähernd zu ermitteln.

„The Destruction of Dresden“ erschien in England am 18. Jahrestag des Ereignisses, am 13. Februar 1963. In den Vereinigten Staaten kam es genau ein Jahr später heraus. Hüben sowie drüben ist das Buch in vielen Zeitschriften besprochen worden, aber von der allgemeinen Öffentlichkeit, etwa in Leserbriefen, hat man nicht viel gehört. In einem Zeitalter, in dem man täglich von „megadeath“ und „overkill“ spricht, erregt anscheinend der gewaltsame Tod von „bloß“ 130 000 Menschen, noch dazu in Kriegszeiten, die Gemüter nicht mehr. In Dresden selbst, wo ich vor einem Jahr, zum erstenmal seit Kriegsende, einen Besuch machte, ist das allerdings anders. Bis zum heutigen Tage versorgen die Angriffe die Ostberliner Regierung mit willkommener Anti-West-Propaganda.

Irving jedoch verhält sich bewundernswürdig unparteiisch. Weder nimmt er die Ostberliner Propagandaroutine auf, noch entschuldigt er die deutschen Fliegerangriffe auf ehemals feindliche Städte. Er schreibt auch ganz sachlich von den Vorgängen in den alliierten Kommandanturen, wo er sich, als Engländer, vor allem mit der britischen befaßt. Sorgfältig muß er durch Berge von Urkunden, Berichten und Protokollen gewatet sein, und er erwähnt jede Aufzeichnung und jede Entscheidung, die getroffen wurde, insofern sie mit den Angriffen auf Dresden zusammenhängt. All dieses Material arbeitet er aus als Grundlage für eine Beschreibung der Angriffe, selbst, eine Grundlage, der man oft nur schwer folgen kann, aber die einfach zu überschlagen man sich nicht erlauben darf.