Frühestens in einem Jahr können die Verbraucher mit den ersten Ergebnissen des Warentestinstituts rechnen, das jetzt in Berlin eingerichtet wird. Die Konsumenten haben auf dieses Institut lange warten müssen. Das spannt die Erwartungen gewöhnlich nur noch höher. Deshalb kann nicht eindringlich genug vor allzu großen Hoffnungen gewarnt werden.

Selbst wenn, wie vom Bundeswirtschaftsministerium angedeutet, monatlich wirklich etwa sechs Testergebnisse veröffentlicht werden sollten, ist damit immer noch nicht sichergestellt, daß der Verbraucher auf diesem Wege ausreichend unterrichtet wird. Schon streiten sich Ministerium und Wirtschaft über die Art der Veröffentlichung. In der Regel sollten die Tests bewertet und nicht, wie es manche Wirtschaftskreise wollen, lediglich erläutert werden.

Die Stellung des Verbrauchers am Markt muß schon gestärkt werden, wenn er, wie er häufig genannt wird, König des Wirtschaftslebens sein soll. Leider sind die Verbraucherinteressen in der Bundesrepublik noch nicht so gut organisiert, daß Testinstitute in eigener Regie der Konsumenten eingerichtet werden können. Daß der Staat hier Schützenhilfe leistet, ist deshalb durchaus kein Fehler.

Bescheidene Hilfen für die Konsumenten sollten von dem neuen Warentestinstitut erwartet werden können. Es wird zweifellos auch die Qualität des Angebots verbessern helfen. Mehr ist indessen nicht möglich. Offensichtlich ist man sich im Bonner Wirtschaftsministerium darüber klar geworden, daß das Testinstitut nicht das non-plus-ultra der Verbraucherpolitik sein kann. Mit vielen kleinen Mitteln – Verschärfung des Kartellrechts, Textilkennzeichnungspflicht, Klagerecht der Verbraucherverbände, bessere Vorschriften für Maße, Gewichte und Verpackung, bessere Verbraucheraufklärung – soll dafür gesorgt werden, daß der Konsument dem Ideal als König des Wirtschaftslebens etwas näher kommt.

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