Hinter den Bombenlegern stehen neonazistische Gruppen

Von Claus Gatterer

Am 8. September 1964 wurde in einem Heuhaufen auf der Stieralm oberhalb Saltaus im Passeiertal Luis Amplatz im Schlaf erschossen. Der durch die Schüsse geweckte Georg Klotz wurde zwar auch von zwei Kugeln getroffen, doch gelang ihm die Flucht über die Gletscher ins Nordtiroler Ötztal. Amplatz wurde auf dem Bozener Friedhof begraben, Klotz von den österreichischen Behörden in Schutzhaft genommen. Franz Kertler wurde in Innsbruck unter dem Verdacht der Beihilfe zum Mord an Amplatz verhaftet; sein Bruder Christian, dem das gleiche Delikt vorgeworfen wird, ist noch flüchtig.

Der Mailänder Prozeß schloß ein Kapitel des „Südtirolterrorismus“ ab; ein weiteres endete nun mit dem Tod von Amplatz. Wer die Tragödie dieses Mannes verstehen will, der in Mailand in Abwesenheit zur Höchststrafe von 25 Jahren verurteilt worden ist, muß sich von vielen Denkklischees lösen. Vor allem: Amplatz war weder ein Nazi (sein Vater ist an den Folgen der Nazihaft gestorben) noch ein Berufsterrorist; er war ein Verzweifelter und Enttäuschter – enttäuscht von Italien und auch von den eigenen Landsleuten. Der 38jährige war so sehr mit Leib und Seele Bauer, daß er meinte, nur die Erhaltung des bäuerlichen Bodens werde der Tiroler Minderheit zwischen Brenner und Salurn die Zukunft sichern. Doch was ihm von seinen Obst- und Weingärten geblieben war, war schließlich nur noch ein „Schneuztüchl“, wie man in Südtirol sagt. Im Bozener Gemeinderat, dem er vier Jahre lang angehörte, sah er sich nicht nur dem Spott der Italiener ausgesetzt, sondern auch dem Unverständnis seiner Fraktionskollegen von der „Südtiroler Volkspartei“.

Darum wurde Luis Amplatz mit Sepp Kerschbaumer „Terrorist“. 1961 flüchtete er nach Österreich, um von dort aus „den Kampf fortzusetzen“. Im Herbst 1963 rettete er sich, schwerverletzt, nach Österreich. Damals wollte er „aufgeben“, und zwar für immer. Was ihn dazu bewogen hat, es nicht zu tun, wissen wohl nur jene, die ihn überredeten, weiterzumachen.

Landsknechte in den Bergen

Der gerettete Georg Klotz, Schmied aus Walten in Passeier, ist von anderer Art: Er ist der „miles gloriosus“, der nach 1945 nicht mehr ins zivile Leben zurückgefunden hat. Sein Terrorismus, für den er schon einmal zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist eine Kombination von Landsknechterei und Renommiersucht.