„... natürlich war ich außer mir. Ich schäumte“, sagte Willibald G., der in verantwortlicher Stellung an einem deutschen Sender tätig ist, „auch die Kollagen waren sehr aufgebracht. So konnte es nicht mehr weitergehen! Immer diese Einsprüche und Bevormundungen durch die Intendanz. Immer wieder Ermahnungen, leiser zu treten. Keine Erlaubnis, ohne polemische Kommentare über Marxismus zu informieren. Immer diese Angst vor kirchlichen Protesten, die manchmal sogar ausbleiben. Bloß keine Späße über Pfarrer – wir sind nicht in England, hier nimmt man alles ernst und übel. Niemanden verärgern, besonders nicht die Bauern und Springer. Keine Polemiken, dazu ist der Rundfunk nicht da! Immer maßvoll bleiben ... ach, wie einem das alles auf die Nerven geht.“

„Und was war der letzte Anlaß für deinen Entschluß?“ fragte ich Willibald.

„Ein Vortrag über die Erotik bei den Siebzehnjährigen. Ein ganz sachlicher, allerdings ziemlich freimütiger Beitrag von der BBC. Den hat die Intendanz kurz vor der Sendung gestoppt. Und darauf faßte ich meinen Entschluß.“

„Zu kündigen!“

„Ja. Das Maß war voll. Es war nicht mehr zu ertragen. Ich ließ durch die Sekretärin einen Termin mit dem Intendanten verabreden. Dann ging ich nach Hause.“

„Und erzähltest alles deiner Frau?“

„Ja. Sie hatte viel Verständnis.“