Ist das Ruhrgebiet, heute noch das industrielle Herz der Bundesrepublik und zugleich wichtigster Wirtschaftsraum Westeuropas, unheilbar krank? Geht seine Bedeutung unaufhaltsam zurück? Ist das Schicksal der Ruhr unlösbar mit der Entwicklung des Steinkohlenbergbaus verbunden?

Seit 1958, dem Beginn der Kohlenkrise, sind diese Fragen in zahlreichen Gutachten, Denkschriften und Entwicklungsplänen mehr oder weniger schüchtern bejaht worden. Fast immer zeigte sich in der öffentlichen Diskussion, über – das Ruhrrevier eine deutliche Resignation. Es entstand der Eindruck, als ob man sich „höherer Orts“ über die Zukunft der Ruhr zwar ernsthaft sorge, aber nicht recht wisse, wie das von Pessimisten vorausgesagte Schicksal abzuwenden sei.

Kein Wunder, wenn dar Gerede über die Ruhr, die zum Dahinsiechen verurteilt sei, seit den ersten Schwächeanfällen des Bergbaus nicht verstummt. Es wird auch nach Lektüre des Landesentwicklungsplanes nicht aufhören, den die Regierung von Nordrhein-Westfalen vorgelegt hat. Anscheinend scheute man sich in Düsseldorf, konkret zu sagen, was in den elf Entwicklungsregionen des Landes notwendig ist. An Stelle eines klaren Leitbildes wurden die Grundsätze der Planung festgelegt Auch für die Entwicklungsregion Ruhrgebiet wird der Planungsbeirat im einzelnen sagen müssen, was geschehen soll. Er findet in dem Entwicklungsplan des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk eine gute Arbeitsgrundlage.

Aus ihr geht eindeutig hervor, daß die Ruhrwirtschaft nicht länger sich selbst überlassen bleiben darf, wenn sie und die dort lebenden Menschen – jeder zehnte Bundesbürger – nicht Schaden leiden sollen. Ebenso deutlich wird aber, daß bei vernünftiger Raumordnung in diesem Ballungsgebiet und wohldurchdachter Industrieansiedlungspolitik noch beachtliche Wachstumsreserven mobilisiert werden können.

Immerhin deutet die Landesregierung in ihrem Entwicklungsplan indirekt an, daß sie auch der Ruhr noch Wachstumschancen einräumt. Nach ihrer Voraussage werden dort nämlich im Jahre 2000 über 6,2 Millionen Menschen wohnen. Das sind 500 000 mehr als heute, Aber sie werden dort nur wohnen, wenn sie auch Arbeit finden, wenn also die dann ansässige Wirtschaft entsprechend aufnahmefähig ist.

Die Einwohnerzahl stagniert

Nur mit viel Energie, Ausdauer und harter Arbeit ist dieses Ziel erreichbar. Die Voraussagen über die Bevölkerungsentwicklung stehen im Widerspruch zur tatsächlichen Entwicklung der letzten Jahre. Trotz der vielen ausländischen Gastarbeiter ist die Zahl der Menschen im Kerngebiet der Ruhr, zwischen Duisburg und Dortmund, zurückgegangen. Nicht viel, nur um einige Zehntausend! Aber dieser Schwund steht im Gegensatz zur Bevölkerungszunahme, die in allen wirtschaftlich wachsenden Ballungsräumen zu beobachten ist.