Gelungene Rekonstruktion alter Bewässerungsmethoden

Die Wüste Negeb, die 60 Prozent des Staates Israel bedeckt, soll wieder fruchtbar gemacht werden. Einst gab es in dem regenarmen Gebiet eine ausgedehnte Landwirtschaft. Heute ziehen dort lediglich Beduinen sporadisch ein wenig Gerste.

Eine israelische Forschergruppe hat in den letzten Jahren untersucht, wie es Menschen schon vor Jahrtausenden fertigbrachten, in dem nun öden Gebiet Kulturpflanzen anzubauen, und ob heute nicht dieselben Methoden anwendbar wären. Über die archäologischen wie über landwirtschaftlichen Ergebnisse, die bisher sehr ermutigend verliefen, berichtete jetzt der Leiter dieser Wüstenforscher-Gruppe, der Botaniker Professor Dr. M. Evenari von der Hebrew Universität, Jerusalem, in der „Umschau für Wissenschaft und Technik“.

„Mannigfache Andeutungen einer früheren Kultur“ registrierte 1870 der Engländer E. H. Palmer, der als erster moderner Europäer die Wüste Negeb durchstreifte: „Schön gebaute Dämme zogen sich durch das Tal, an den höheren Abhängen waren lange, niedere, sorgfältig zusammengefügte Mauern... Der Zwischenraum war in breite Stufen oder Terrassen geteilt, um die Bewässerung zu regeln und das Wasser zu verteilen ... Viele dieser großen, stark ummauerten Terrassen müssen einst mit Obstbäumen ... bepflanzt gewesen sein; für den Getreidebau waren noch weite Strecken übrig.“

Ob Menschen der Bronzezeit, die als erste um das Jahr 2000 vor Christus die Wüste Negeb besiedelten, nur Viehhirten waren oder auch schon Landwirtschaft betrieben, ist noch nicht geklärt. Zur Zeit der Könige von Juda jedoch – um 900 bis 700 vor Christus – blühte die Landwirtschaft in der Negeb.

Sturzwasser-Landwirtschaft

Evenari und seine Mitarbeiter – ein Archäologe, ein Bodenkundler und zwei Landwirtschaftswissenschaftler – gruben aus dieser Zeit zwei Dörfer aus. Die Forscher fanden viele Zisternen und konnten die alten Felder erkennen. Sie entdeckten sichere Beweise dafür, daß die israelischen Bewohner der Wüste bereits jene Bewässerungskunst übten, die gut tausend Jahre später in der Negeb ihre höchste Blüte erreichte: die Sturzwasser-Landwirtschaft.