Immer wieder wurden Voraussagen über das

Ende der Rekorde gemacht und immer wieder wurden diese Vorhersagen auf dem Sportfeld über den Haufen geworfen. Gewöhnlich waren es aber erfahrene Praktiker, die so kühn waren und tippten und dann gräßlich hereinfielen, so daß heute der schlaue Mann sich hütet, in die Zukunft der Rekorde zu schauen. Als ich einmal die Verlaufskurven der Rekorde studierte und dabei feststellte, daß in den Wurf- und Stoßübungen die größte Beschleunigungsrate herrscht, während im Sprint die geringste zu verzeichnen ist und die Ausdauerübungen in der Mitte stehen – da wagte ich auch nicht, gewitzt durch so viele Hereingefallene, Prognosen zu stellen.

Zum erstenmal hat nun im Frühjahr dieses Jahres ein Sportmediziner, Prof. Ernst Jokl aus Kentucky, der früher in Breslau lebte, dieses fast tollkühne Wagnis unternommen. In einer Abhandlung in „World Wide Abstracts of General Medicine“ mit dem Titel „Die Zukunft der Athletik-Rekorde“ versuchte Jokl, durch eine Weiterführung des bisherigen Verlaufs der Rekordkurven den Seherblick in die Zukunft wissenschaftlich zu entschleiern, das heißt aus einer Prophezeiung eine Prognose zu machen. Da der amerikanische Sportmediziner natürlich weiß, daß das Tempo der Verbesserung der Rekorde nicht gleichmäßig ist, sondern nicht selten in Sprüngen verläuft, berechnete er ein Maximum und Minimum mit einer entsprechenden Schwankungsbreite. Für die 100 Meter beträgt diese Spanne zum Beispiel 9,9 bis 10,2 Sekunden. Daneben gab Jokl aber auch einen Mittelwert für das Jahr 1964 an, den wir nun als Voraussage für die

Olympischen Spiele benutzen, obwohl dadurch die Wahrscheinlichkeit, daß die Prognose eintrifft, sicherlich verringert wird, da bei einer einzelnen Veranstaltung die Leistungen von zuviel Zufälligkeiten beeinflußt werden können – vor allem sind es die Klimabedingungen, die einen erheblichen Unsicherheitsfaktor in die Vorhersage bringen. So sollen also die Prognosen von Prof. Jokl hier nicht als wissenschaftliche Aussage, sondern nur als Voraussetzung für ein Spiel gewertet werden. A. M.

Prognose Prof. Jokl / Meinung der „Zeit“

100 m 10,1 gleich

200 m – 20,4