HESSISCHER RUNDFUNK

Montag, 21. September, das Hörspiel:

Debütanten wissen heutzutage meist genau, worauf es ankommt. Darum hat wohl auch Inge Britt ihr erstes Hörspiel „Duett mit einer Trompete“ genannt. Das Trompeten-Solo, das eine Art leitmotivischer Bedeutung für die beiden jungen Leute in diesem Spiel gewinnt, ist das akustische Alibi für die Funkform. Sonst sind die Szenen eher filmisch. Schraubenschlüssel, ein Lichtstrahl auf Staniolpapier, ein neuer Anzug und dergleichen, und schließlich eine wohnliche Einrichtung sind optische Dingsymbole. So etwas läßt sich besser sehen als hören.

Immerhin – was gesagt wird, ist nicht übel formuliert. Es deckt geschickt die psychischen Bocksprünge auf. Liebe 1964 unter Twens ist das Thema. Und Inge Britt zufolge geht der Weg umgekehrt wie früher. Sexuell desillusioniert fängt man an, aber das bessere Selbst steuert hinüber in eine häusliche Idylle. Die Reihenfolge entspricht soziologischen Befunden.

Aufgabe der Regie wäre es gewesen, die Sprecher auf den nun einmal gegebenen realistischen Grund einzustimmen. Aber da liegt die Crux. Wer hat in unseren Funkhäusern schon die Zeit und die Geduld, konkretes Sprechen einzustudieren? Hier jedenfalls müßte der derzeitige Alltag und die psychisch-soziologische Situation erfaßt werden; und das haben zumindest die Nebenfiguren nicht geschafft. kli