P. T., Flensburg

Deutsch-dänische Grenze am vorvergangenen Sonntagabend. Autoschlangen an der Zollbarriere. Völlig korrekt reiht sich ein Volkswagen mit einer Nummer aus dem nahen Flensburg langsam ein, wobei er dicht an einem anderen, schon haltenden Volkswagen vorbeifährt – zu dicht, wie dessen Insasse offenbar meint. Und nun haben Dänen und Deutsche Gelegenheit, die Sprachgewalt eines jungen Mannes zu „bewundern“. Was sie auch fleißig tun.

Der junge Mann – wirklich in der Meinung, man sei ihm zu nahe gekommen – verläßt seinen Platz am Steuer und stürzt hinter dem anderen Volkswagen drein, der mittlerweile ebenfalls hält. Er erreicht ihn. Er stutzt nicht, als er darin zwei Damen sieht, die vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre älter sind als er; im Fond drei Kinder im Volksschulalter.

„Hast wohl deinen Führerschein auf dem Dom gemacht, was?“ so hebt er seine Rede an. Keine Antwort. Worauf sich der Wortschwall des „Kavaliers“ steigert, bis er zuletzt den Höhepunkt in dem „Bonmot“ erreicht: „Ich knack’ dir ’n paar in die Fresse, Alte!“

Der „Dom“ – so heißt der große volkstümliche Vergnügungsplatz in Hamburg. Wem also dieser Begriff vertraut ist, der hätte die Autonummer nicht erst zu lesen brauchen, um den Herkunftsort des tapferen Mannes zu erfahren: HH – VP 170.

Die Wagen rollen nun langsam an. Aber es bleibt ein bißchen schamerfüllte Neugierde, mehr zu erfahren über den Burschen, der auf seine Weise dazu beiträgt, den Ruf, den wir Deutsche uns in Dänemark erworben haben, als viele von uns dort vor zwanzig Jahren Uniformen trugen, möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Sollte er von alledem nichts wissen – wer verschwieg es ihm?