E. R., Karlsruhe

Köche kennen ihren eigenen Brei am besten, Und deshalb muß schon etwas dran sein, wenn der „Verband Südwestdeutscher Eisenbahner“ feststellt, daß die Deutsche Bundesbahn in den letzten Jahren in Südwestdeutschland Millionenbeträge fehlinvestiert habe. Das Paradestück der allzu kurzsichtigen Dispositionen ist der Torso der Reparaturhalle für Lokomotivkessel im Ausbesserungswerk Karlsruhe-Durlach, das 1954 aufgelöst worden war. In Rosenheim war bereits 1949 eine Ausbesserungshalle für elektrische Lokomotiven für 3,8 Millionen Mark gebaut und 1952 stillgelegt worden. Die Auflösung der Weichenwerkstatt in Heilbronn verursachte Ausgaben in Höhe von 1,2 Millionen Mark, und in Eßlingen wurde 1949 eine Ausbesserungshalle für 2,8 Millionen Mark errichtet, die man bereits vier Jahre später nicht mehr brauchte. Alles in allem wurden also neun Millionen Mark zum Fenster hinausgeworfen. Der Verband der Eisenbahner hat den Abgeordneten des baden-württembergischen Landtags mitgeteilt, daß es solche Fehlinvestitionen auch heute noch gäbe.

Dieser Vorwurf ist gegen die Hauptverwaltung der Bundesbahn in Frankfurt gerichtet, die die fünf geschäftsführenden Direktionen für das Werkstättenwesen in der Bundesrepublik zu einer Zentralstelle zusammenschmelzen will. Dagegen sind nun aber die baden-württembergischen Föderalisten und erst recht die bayerischen Antizentralisten. Sie verteidigen ihre Werkstattdirektionen fast ebenso erbittert wie ihre Autobahnämter – die Münchner in München, die Stuttgarter in Stuttgart. Offenbar sind aber die Schwaben nicht so gute Verteidiger wie die Isarspatzen.

Das wissen die Verbandsdetektive der südwestdeutschen Eisenbahner vom Verwaltungsrat der Deutschen Bundesbahn. Als man dort in der 87. Sitzung die dritte „Schließungsnovelle“ für Bundesbahnwerkstätten beriet und ablehnte, blieb als einziges Opfer das Ausbesserungswerk in Eßlingen auf der Strecke. Die Erklärung dafür, daß bisher in Bayern nur die Werke in Nürnberg und in Augsburg, in Baden-Württemberg dagegen die Werke in Karlsruhe-Durlach, Stuttgart, Aalen, Friedrichshafen, Heilbronn und Eßlingen aufgelöst wurden, hat der Bundesbahnreferent für das Werkstättenwesen selber gegeben, als er schon vor Jahren offen dich verkündete: „Ich weiß, was ich meinem Land Bayern schuldig bin.“

Das Land Baden-Württemberg stellte zwar von Bundesbahn in den letzten Jahren Darlehen von aber 470 Millionen Mark zur Verfügung, Bayern aber erreichte es, daß die kleine Bundesbahnbayerische Augsburg nicht aufgelöst wurde. „Der bayerische Landtag und die bayerische Staatsregierung haben diesen Plan zunichte gemacht“, heißt es in dem Verbandsschreiben an die Stuttschon Landtagsabgeordneten. Bayern soll auch schon die Zusage aus dem Hause Oeftering Werkten haben, daß bei der Auflösung der fünf Werkstattdirektionen in Hamburg, Essen, Frankfurt, Frankfurt und München eine neue Zentrale in Frankfurt und zwei Außenstellen in München und in Hamburg geschaffen werden sollen.

Das Tauziehen geht aber noch weiter. Der „Verband der Eisenbahner“ hat nämlich ausgerechnet, daß durch die Zentralisierung überhaupt kein Geld gespart werde, weil man in Frankfurt einen Neubau braucht und die Zusammenarbeit zwischen der Zentrale und den 36 Ausbesserungswerkstätten viel Geld verschlingt. Wenn nur zwei oder drei Direktionen verschwinden würden – wohlgemerkt, nicht die Stuttgarter –, so könnten sogar 230 bis 280 Beamte eingespart werden. Es sei denn, man würde im Verwaltungsdienst der Bundesbahn eine rigorose Vereinfachung durchführen. „Man könnte dadurch einige Tausend Arbeitskräfte einsparen“, berichten die Eisenbahner den Parlamentariern, die sich alle Jahre wieder die Köpfe darüber zerbrechen, wie man der Bundesbahn aus der defizitären Patsche helfen könnte.

In dem Schreiben des Verbandes heißt es wörtlich: „Für uns Eisenbahner ist es grauenhaft, wenn man mit ansehen muß, wie durch mangelhafte Planungen und voreilige Entscheidungen Millionenbeträge fehlinvestiert werden!“ Deshalb sollen jetzt die Abgeordneten helfen, daß den Stuttgartern ihre Direktion, den Schwaben ihr Prestige, den Studenten der Technischen Hochschule Stuttgart ein Arbeitsplatz bei der Bundesbahn und der baden-württembergischen Industrie Aufträge der Direktion über sechs Millionen Mark im Jahr erhalten bleiben. Das ist nun in der Tat ein Argument, das gerade Landespolitiker überzeugen müßte.