Oper von W. A. Mozart

Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf

Die Deutsche Oper am Rhein hat ihre zweite Phase begonnen. Auf den Generalintendanten Hermann Juch, der nach Zürich ging, ist Grischa Barfuß gefolgt. Ihm verdankten bisher die Wuppertaler Bühnen ihr Ansehen als künstlerisch solide Institute in der „rheinisch-westfälischen Theaterlandschaft“. Juch leistete eine mühevolle Aufbauarbeit, die von manchen anfangs für unmöglich gehalten wurde: eine Theaterehe zwischen zwei heterogenen Städten, Düsseldorf und Duisburg, von denen jede ihr eigenes Orchester für dieselben Aufführungen beibehielt. Das erforderte Generalstabsarbeit. Wenn der Bestand der Zwei-Städte-Oper vorläufig bis zum Jahre 1969/70 gesichert ist, so darf Hermann Juch diesen Erfolg für sich verbuchen.

Nach ersten Akzenten, die durch Starsänger gesetzt wurden, entwickelte sich die Deutsche Oper am Rhein zu einem Ensembletheater. Sein Repertoire gipfelte alljährlich in einer Woche mit Opernwerken aus dem 20. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den sängerischen und musikalischen Leistungen blieb die schwankende Inszenierungsqualität umstritten.

Um diesem Mangel abzuhelfen, brachte Generalintendant Dr. Barfuß einen wesentlichen Teil seiner Führungs-, Opern- und Ballettkräfte aus Wuppertal mit. 24 Stücke aus dem bisherigen Repertoire der Deutschen Oper am Rhein verbleiben im Spielplan. Ebenso kühn, weil unpopulär, wie stilvoll muten die vier Eröffnungspremieren der neuen Ära an: Mozarts Idomeneo und eine Haydn-Oper („L’infedelta delusa“), Cimarosas „Heimliche Ehe“ und an einem Abend Strawinskys „Ödipus rex“ mit dem „Gefangenen“ von Dallapiccola.

Vom szenischen Geist, der mit dem Bühnenbildner Heinrich Wendel und dem Regisseur Georg Reinhardt in Düsseldorf eingezogen ist, bot die „Idomeneo“-Aufführung sogleich ein bezeichnendes Beispiel. Die Arbeit begann am Text, indem Bernhard Paumgartners Salzburger Werkfassung nochmals in Richtung auf dramatische Knappheit und Logik revidiert wurde. Mit ungemein plastisch wirkenden Projektionen übersetzte Wendel die griechische Antike aus der Sicht des 18. Jahrhunderts teils in gegenstandslose Malerei, teils in eine Archaik, für die (mit Ausnahme einer Chorszene und des Meerungeheuers) in Mozarts hochempfindsamer Musik keine Entsprechung zu finden sein dürfte. Reinhardt war um Individualisierung der Sängergestik bemüht, soweit er sich gegen die Attitüdenseligkeit von Operisten durchzusetzen vermochte.

Der packende Gesamteindruck war musikalisch bedingt. Mozarts glücklose, aber geniale Partitur, um die kein Aufführungsversuch vertan ist, wurde vom künftigen Generalmusikdirektor der Rheinoper, Günther Wich (Hannover), mit klugem Verständnis und beseelter Phrasierung interpretiert. Unter den Solisten standen auf der Höhe ihrer Aufgaben Elisabeth Schwarzenberg (Ilia), Andor Kaposy (Idamantes) und Hugh Beresford (Arbaces). Johannes Jacobi