Bei seinem offiziellen Besuch in Bulgarien hat der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, die Aufnahme offizieller Handelsbeziehungen zwischen Sofia und der Bundesrepublik gutgeheißen. Grundsätzlich sprach man sich dafür aus, die Beziehungen zwischen den Ostblockstaaten und Bonn zu verbessern. Das sind ganz neue Töne aus Richtung Pankow und es dürfte interessant sein, wie Ulbricht jetzt diese Bestrebungen mit seinen ständigen Warnungen vor der bösen Bundesrepublik unter einen Hut bringen wird.

Vieles spricht dafür, daß er damit lediglich einen Schritt nachzieht, den mehrere seiner Ostblockpartner bereits zu einem früheren Zeitpunkt vollzogen haben. Weder Ungarn, noch Rumänien oder Bulgarien haben ihn vor der Vereinbarung über die Errichtung von westdeutschen Handelsmissionen gefragt. Und auch die Tschechoslowakei, die an der Verbesserung der Beziehungen zu Westdeutschland ganz offensichtlich interessiert ist und deren Außenhandel den größten Westanteil von allen Ostblockländern hat, ist dieses Ziel im Alleingang angegangen.

Befürchtet die DDR jetzt eine wirtschaftliche Isolierung innerhalb des Ostblocks, wenn sie als einziges Land sich gegen engere Verbindungen mit der Bundesrepublik wehrt? Das wäre eine plausible Erklärung für diese Sinneswandlung. mh.