BONN (Rheinisches Landesmuseum):

„Glas, Form und Farbe“

Diese systematische Übersicht über die Geschichte der Glaskunst wird aus einer einzigen Privatsammlung bestritten, der Sammlung Walther Bremen aus Krefeld, die damit zum erstenmal öffentlich gezeigt wird. Das revolutionäre Ereignis in der mehrtausendjährigen Glasgeschichte ist die Erfindung der Glasmacherpfeife im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Seitdem ist das Glas dünnwandig, transparent und kann in jede, auch extravagante Form gebracht werden. Die frühesten Beispiele stammen noch aus der vorangegangenen Phase, die ägyptischen Balsamerien des dritten vorchristlichen Jahrhunderts sind schlicht geformt, den einzigen Schmuck bildet die Farbe. Die Salbfläschchen sind dunkelblau gefärbt (die natürliche Farbe des Glases ist. grüngelb), durch eingelegte hellblaue und gelbe Wickelfäden wird die dekorative Wirkung gesteigert. Die Spätantike dagegen bildet in den syrischen Werkstätten und in den römischen Glashütten am Rhein ein raffiniertes Formenarsenal aus. Im Mittelalter sinkt das Glas auf das Niveau simpler Gebrauchswäre, bis die Spätgotik den banalen Gebrauchszweck hintansetzt und die Bildsamkeit zu phantasievollen Glasspielen verwendet. Bei den gotischen Gefäßen liegt der Schwerpunkt der Sammlung bei den nuppenbesetzten Krautstrünken (die Form erinnert an einen Kohlkopfstrunk), den Berkebechern und Spechtern, bei den skurrilen Produkten des deutschen Waldglases und andererseits bei den formklaren, technisch vollendeten Gläsern aus Murano. Außerdem enthält die Sammlung eine Reihe hervorragender Glasgemälde, kostbare Scheiben des späten Mittelalters, die ältesten Kirchenfenster kommen aus den Werkstätten in Freiburg und Strasburg. In den Standesscheiben und Wappenscheiben des 16. Jahrhunderts übernimmt die Glasmalerei zum erstenmal auch profane Aufgaben. In der „Großen Standesscheibe von Österreich“ des Felix Lindtmeyer d. Ä., datiert um 1530, wird ikonographisch das mittelalterliche Motiv der Wilden Leute aufgenommen und in das ornamentale Schema der Renaissance eingespannt. Den Abschluß bilden die Schweizer Kabinettscheiben des 17. und 18. Jahrhunderts: Ausdruck einer bürgerlich behaglichen Wohnkultur. Die Ausstellung im Bonner Museum dauert bis zum 4. Oktober. g. s.