Fünf Krisen, die den Sommer über die Welt beunruhigten, werden auch die Temperaturen des Herbstes bestimmen: Vietnam, Laos, Malaysia, Kongo und Zypern. Zum Herbstanfang zeigte das Krisenbarometer zumeist „Schlechtwetter“ oder „Veränderlich“ an.

In Südvietnam hatte General Khanh kaum mit Müh und Not den letzten Putsch unzufriedener Generalskollegen niedergeworfen, da erschütterten neue Unruhen sein Regime. Trotz des Ausnahmezustandes traten 20 000 Arbeiter in Saigon in den Streik. In der Küstenstadt Qui Nhon besetzten Schülergruppen einen Rundfunksender. Stammeskrieger, die vier Bergprovinzen, ein Viertel Südvietnams, beherrschen, verlangten die Autonomie und setzten ihre US-Ausbilder gefangen.

Über den Bürgerkrieg in Laos, in den auch die USA und Nordvietnam verwickelt sind, müssen vorläufig die drei Prinzen befinden, die sich am Montag endlich, mit einer Verspätung von vier Wochen, über die Tagesordnung einer Friedenskonferenz einigten. Von einem Akkord sind sie noch weit entfernt.

Malaysia scheiterte, wie erwartet, mit seiner Beschwerde gegen die indonesische Infiltration am sowjetischen Veto im Weltsicherheitsrat. Moskau will die Freundschaft Sukarnos nicht verspielen.

Im Kongo erzielten die Rebellen nach ihren Niederlagen im Kampf mit Tschombes weißen Söldnern wenigstens einen diplomatischen Erfolg: Der Versöhnungsausschuß der „Organisation afrikanischer Staaten“, der vom Regierungschef Kenias, Jomo Kenyatta, geleitet wird, schickte eine Delegation nach Washington. Präsident Johnson soll sofort die Waffenhilfe für Tschombe einstellen.

Auch auf Zypern hat sich die Lage nicht entspannt, obwohl Makarios den Türken wieder Proviant zukommen läßt. Das Angebot des Erzbischofs, alle Befestigungen zu schleifen und den türkischen „Rebellen“ Amnestie zu gewähren, wurde zurückgewiesen. Die UN entsandte den Ex-Präsidenten von Ekuador, Galo Plaza Lasso, als neuen Vermittler nach Zypern. Das Mandat der UN-Truppe soll verlängert werden. Gleichzeitig verhandelt eine zypriotische Delegation in Moskau über eine sowjetische Waffenhilfe. Die griechische Warnung, daß eine Verbindung mit dem Kreml den Bruch mit Athen bedeuten würde, ließ Makarios ungerührt.