Mr. Lewis, ein Amerikaner, gab eine Pressekonferenz in London. Seitdem bin ich vollkommen erschöpft – und das kommt vom Lachen. Nicht etwa, weil Herr Lewis so komisch ist, sondern vom Lachdrill. Allmorgendlich, das haben wir ihm in die Hand versprochen, drillen wir herzhaftes Lachen.

Mr. Lewis meint, alle unsere Miseren seien nur auf Lachmangel zurückzuführen. Er ist der Präsident der amerikanischen Vereinigung zur Pflege des Lachens. Lustbarkeit und Gelächter seien nicht nur gesund, behauptet er, es sei auch im offiziellen Leben bitter notwendig. Mr. Lewis, dessen Lachliga jetzt versucht, die Präsidentenwahlen zum Riesengaudium zu machen, nimmt seine Mission so ernst, daß er nach London kam, um hier eine nationale Lachwoche zu organisieren.

Selbst der Eiserne Vorhang würde seiner Meinung nach fallen, wenn nur genügend Lachsalven abgefeuert würden. Es ist sein Wunsch, daß Kommunisten und Kapitalisten über dieselben Späße in Gelächter ausbrächen. Dann würden sogleich alle Probleme zwischen den beiden Weltanschauungen gelöst werden. Aus diesem Grunde habe er auch an Chruschtschow geschrieben. Auch an General de Gaulle habe er ein Schreiben gerichtet und von Sir Alec Home eine Privataudienz erbeten. Leider haben bisher die Herren noch nicht reagiert – ein Beweis dafür, wie humorlos unsere politischen Spitzen sind. Da sei es in Amerika doch anders. Dort würde, auf Mr. Lewis’ Anraten, ernsthaft erwogen, jede Kongreßsitzung gleich nach dem Gebet mit einem schmetternden Gelächter anzufangen. Die dazu notwendigen Witze würden von der Lachvereinigung geliefert. Wie überhaupt die Lachorganisation ein Riesenarchiv von Witzen besäße, die säuberlich nach Themen geordnet sind. Eine Unterabteilung des Archivs sammele Witze von antiquarischem Wert, die hin und wieder, bei besonderen Bedürfnissen, hervorgeholt würden. Darunter seien einige garantiert römische und ein Kreuzfahrerwitz.

Mr. Lewis ist ein würdiger, weißhaariger Mann mit etwas melancholisch wirkenden Augen, der wie ein vertrauenswürdiger Chirurg aussieht. Er hat sich Lachen zur Lebensaufgabe gemacht und mit Gleichgesinnten eine Liga gegründet, die mit heiligem Eifer die Lachlust in das Privatleben trägt. Wir sollen mehr lachen. Aber nicht etwa nur so. Zwecklos. Mr. Lewis aus Amerika erklärt, auch im Geschäftsleben würden spaßige Einfälle kommerzielle Widerstände viel eher brechen.

Sind so viel Schnurrpfeifereien und unsinniges Gelächter etwa ernst zu nehmen? Mr. Lewis nimmt sie ernst: „Kultur ist alles, was wir tun können und die Affen nicht. Und dazu gehört das Lachen.“

Jetzt übe ich, gleich nach dem Aufstehen, allerlei Lachweisen, wie Mr. Lewis es empfahl. Das ist gar nicht so einfach. Besonders, wenn man in aller Frühe sein eigenes Gesicht im Spiegel sieht. Ich war schon ein paarmal davon so ermattet, daß ich noch einmal ins Bett mußte. Und meine Frau sah mich beim Frühstück so komisch an. Ob Mr. Lewis das wohl so meint? Nieter O’Leary