Auf der nächsten Leipziger Frühjahrs- und Jubiläumsmesse (800 Jahre) wird auch die westdeutsche Schwerindustrie wieder in einer repräsentativen Auswahl vertreten sein. Für fünf Montan-Konzerne steht dem Vernehmen nach die Beteiligung bereits fest; von mehreren Großunternehmen der chemischen Industrie, der Elektroindustrie und des Maschinenbaus wird sie noch erwogen. Die Nachricht von dieser Rückkehr nach Leipzig – nachdem die großen Namen der westdeutschen Industrie bis auf wenige Ausnahmen nach dem Bau der Mauer der Messe ostentativ ferngeblieben waren – hat einiges Aufsehen in der Öffentlichkeit erregt; und natürlich war auch wieder zu hören, daß die beklagenswerte politische Indifferenz führender westdeutscher Industrieller damit ein andermal unter Beweis gestellt sei.

Wieso? Was in der Ära des Kalten Krieges und unter anderen Umständen als politisch instinktlose Geschäftemachern zum mindesten verdächtig war, muß das nicht unbedingt auch heute noch sein. Die Politik befindet sich in ständigem Fluß; und neue politische Konstellationen ermöglichen auch neue wirtschaftliche Aktionen.

Es kann nicht Sache der Wirtschaft sein, Politik zu treiben; aber sie muß auf ihre Belange Rücksicht nehmen. Es sind gewiß in erster Linie nüchterne geschäftliche Überlegungen, die die westdeutsche Industrie die Fahrt nach Leipzig antreten lassen. Unter politischen Aspekten gesehen genügt es, festzustellen, daß sich diese Überlegungen durchaus in den Rahmen der angestrebten Auflockerung der Fronten einbauen lassen, kr