In einer Zeit, wo die östliche Welt von Morgen her bis Abend hin ihre Heilsbotschaft fortschreitender Menschheitsentwicklung in die Breite trägt (vom Saurier zum Sozialismus), blieb es uns vorbehalten, eine Atmosphäre zu schaffen, wo das Wort Fortschritt schon von sich aus dem konkurrierenden Gelächter der bürgerlichen Intelligenzen ausgeliefert ist. Peter Rühmkorf

Sparen, nur wo?

Der österreichische Rundfunk wird eine vor einiger Zeit angekündigte und daraufhin heftig kritisierte drastische Sparmaßnahme durchfühlen: das seriöse Musikprogramm wird reduziert. „Wegen Geldmangels“ sollen Opernaufführungen nicht mehr in eigener Regie-produziert werden. Der Zyklus „Musik des 20. Jahrhunderts“ wird völlig eingestellt. Dem Sparstift verdanken auch die Reihen der „Musica nova“ und der Chorkonzerte ihre Amputationen, obwohl gerade sie nachweisliche Erfolge einbrachten. Nicht bekannt wurden bisher die Ausmaße einer eventuell vorgesehenen „Einsparung“ auf dem Sektor der Schlager- und Unterhaltungsmusik.

Bannspruch für Osborne

Das neueste Theaterstück John Osbornes „A Patriot for Me“ (In meinen Augen ein Patriot) wird die englische Zensur nicht passieren, bevor nicht ein Kompromiß zwischen dem Autor und dem in Großbritannien für die Zensur verantwortlichen Lord Chamberlain gefunden ist. Das Stück, das Osborne selbst als „Operette ohne Musik“ charakterisiert, spielt im österreichisch-Ungarn der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und ist voller skandalöser debauchees und Spionage. Die Zensur fordert eine Streichung von mindestens zwei Szenen übertriebener Homosexualität (für Osborne Achsenszenen des Stückes), da sie eine „korrumpierende Wirkung in weitestem Ausmaß auf das Publikum“ haben würden. Osborne hat sich bis jetzt jedoch noch nicht mit diesem Gedanken anfreunden können und antwortete aus New York, daß er dem Bannspruch des Lord Chamberlain wahrscheinlich entgehen würde, wenn man den Royal Court vorübergehend in einen Klub umwandelte. Eine derartige Idee sei auf ihre Vorzüge hin zu untersuchen, äußerte dazu ein Theatersachverständiger.

Hörspielaustausch

Dr. Heinz Schwitzke, Leiter der Hörspielabteilung des Norddeutschen Rundfunks, will zu einem kulturellen Austausch mit den Ostblockstaaten intensiveren Kontakt mit osteuropäischen Rundfunkstationen aufnehmen. Nach einer sich nunmehr schon über mehrere Jahre erstreckenden Zusammenarbeit des NDR mit Polen und Jugoslawien wird sich bereits im Winterprogramm 1964/65 auch ein engerer Kontakt mit Hörspielproduzenten in Budapest und Prag anbahnen. Redakteure des Prager Rundfunks kommen zu einem Arbeitsaustausch zum NDR nach Hamburg.