DIE ZEIT

Handeln statt händeln

Für die Bonner Regierungsparteien, die sich jüngst mit so viel Hingabe dem Koalitionszank widmeten und die nebenher noch die roten Rathäuser stürmen wollten, haben die Kommunalwahlen ein böses Erwachen gebracht.

Wer hat was erreicht?

Welche Veränderungen am Berliner Passierscheinprotokoll hat der westliche Unterhändler Korber nach dem Bonner Beschluß vom 11.

Bayerische Selbstkontrolle

Mitte dieser Woche stand es fest: der Vorsitzende der bayerischen CSU-Landesfraktion, der 35jährige Staatsanwalt Ludwig Huber, soll bayerischer Kultusminister werden und trotz dieser Ernennung weiterhin Fraktionschef bleiben.

Das schweigende Parlament

Die Sommerferien der Parlamentarier sind beendet; in ihrem Domizil am Rhein haben die Abgeordneten die Arbeit wiederaufgenommen.

Interview mit Erhard

Als unbefriedigend für die CDU bezeichnete der Bundeskanzler das Ergebnis der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen. In einem Gespräch mit der ZEIT bewertete er die Mehrheitsverschiebungen an Rhein und Ruhr zugunsten der SPD und zu Lasten der CDU und FDP als ein notwendiges und nützliches Alarmzeichen, als eine Mahnung, auf Zerwürfnisse und Verdächtigungen in den Reihen der Regierungsparteien zu verzichten.

Zeitspiegel

Peking erwartet zum erstenmal einen Staatsmann aus dem Westen. Harald Wilson will, wenn er im kommenden Monat zum englischen Premier gewählt wird, 1965 Mao Tse-tung einen Antrittsbesuch machen.

Anspielung

Der Fall ist einfach: Dr. Burda, der Verleger der „Bunten“, glaubt nicht, daß die ZEIT einen Artikel aus der Ärztezeitschrift „euromed“ vor einigen Wochen deshalb nachgedruckt hat, weil sie dazu beitragen wollte, daß nicht weiterhin unerfüllbare Hoffnungen bei Krebskranken erweckt würden: durch ein japanisches Mittel nämlich, das zwar unerhältlich ist, aber die Förderung der „Bunten“ genießt.

Das alte Europa lebt noch

Prag galt neben Rom und Paris immer als eine der drei schönsten Städte Europas. Heute mag es auf den ersten Blick im Vergleich mit den beiden glanzvollen Schwestern wie ein Aschenputtel wirken, und doch besitzt es einen Zauber eigener Art.

Ein General nahm seinen Abschied

Zum erstenmal in seiner Amtszeit hat Bundesverteidigungsminister von Hassel den Paragraphen 50 des Soldatengesetzes angewandt, wonach Berufsoffiziere vom Brigadegeneral an aufwärts jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden können.

Vom Schmerzensgeld bis zum Europa-Recht

Drei Themen standen im Mittelpunkt des 45. Deutschen Juristentages, zu dem sich in der vorigen Woche 1600 bundesdeutsche Juristen in Karlsruhe, der „Hauptstadt des Rechts“, zusammengefunden hatten: Schmerzensgeld, Untersuchungsausschüsse, Staatsanwaltschaft, In Arbeitsgemeinschaften wurde außerdem über Fragen aus dem Kommunal-, Sozial-, Arbeits- und Wirtschaftsrecht beraten.

Papas Gewerkschaft ist tot

Noch so jung und schon so grau! Das ist der erste, oberflächliche Eindruck bei der Begegnung mit dem neuen Vorsitzenden der Industrie-Gewerkschaft Bergbau und Energie, Walter Arendt der ein Vierteljahr vor seinem 40.

Ulbricht gegen den Strom?

Wie kann der reißende Strom des gewachsenen Nationalbewußtseins ... in die Bahn des sozialistischen Internationalismus gelenkt werden?“ fragte der sowjetische Parteisekretär Andropow.

Das kanonische Hindernis

Es hat sich neuerdings in unserer Rechtsprechung ein kurioses Problem ergeben, das die Eheschließung von Ausländern bei uns betrifft.

Denkzettel für die Koalition

Das Ergebnis der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen am letzten Sonntag läßt sich kaum treffender beschreiben als mit den selbstkritischen Worten des CDU-Politikers Band: „Der Gewinner ist die SPD, der Verlierer die FDP – und wir von der CDU haben einen Denkzettel erhalten.

Kein Geld für Zypern

Erzbischof Makarios überspielte seine Widersacher aufs neue. Glückliche Umstände erleichterten ihm sein Spiel. UN-Generalsekretär U Thant hatte dem Weltsicherheitsrat vorgeschlagen, den Aufenthalt der UN-Friedenstruppen bis zum 26.

Von ZEIT zu ZEIT

Erhebliche Gewinne der SPD bei Verlusten der CDU und beträchtlicher Einbuße der FDP waren das Ergebnis der Kommunal-(„Test“)- Wahlen im größten Bundesland, Nordrhein-Westfalen.

Römische Geste

Der deutsche Kurienkardinal Bea brachte die Reliquie des Apostels Andreas (in Gold gefaßte Schädelteile) nach Griechenland zurück, von wo sie vor 500 Jahren vor den Türken nach Rom in Sicherheit gebracht worden war.

Mirage fraß Millionen

Vorige Woche hat das Schweizer Parlament, der Nationalrat, in der Auseinandersetzung mit der fast allmächtigen Ministerialbürokratie und den Militärtechnikern eine Schlacht gewonnen und das Königsrecht aller Volksvertretungen, das Budgetrecht, behauptet.

Neuer Panamakanal gesucht

Die USA suchen jetzt ernsthaft nach einem Ersatz für den Panamakanal, dessen Kapazität dem modernen Großschiffsverkehr der nächsten fünfzig Jahre nicht mehr genügt und nach den Januar-Unruhen in der Kanalzone politisch kein gesicherter Besitz mehr ist.

Geteilte Liebe

Nach Ablauf der ersten Halbzeit seiner Südamerika-Tournee begab sich General de Gaulle für zwei Tage auf „französischen Boden“, an Bord des Kreuzers „Colbert“, der vor der chilenischen Küste wartete.

Vietnamesisches Roulett

Das südvietnamesische Krisenkarussell dreht sich von Woche zu Woche schneller. Nach dem Urteil amerikanischer Regierungsbeamter ist die Situation in Saigon schlimmer als vor den Unruhen im August und dem Putschversuch Anfang September.

Namen der Woche

Prinzessin Margaret, Schwester der britischen Königin, legte am Denkmal für die Opfer eines britischen Bombenangriffs auf Kopenhagen einen Kranz nieder.

Kanada hat Raum für Millionen

Der junge Mann wirft hochmütig den Kopf zurück. „Wir haben nichts gegen Königin Elisabeth. Und natürlich schießen wir nicht auf eine Frau.

Massenmord mittels Demokratie

Reinhard Henkys: Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen – Geschichte und Gericht. Mit einer Einleitung von Präses D. Kurt Scharf und einem Beitrag von Professor Dr.

Das Unterhaus verliert an Macht

Unbehagen ist wohl die angemessene Vokabel, wenn es gilt, das Verhältnis mancher Zeitgenossen zur parlamentarischen Demokratie des Bonner Grundgesetzes auszudrücken.

Richter unter Hitler

Im vergangenen Jahr erschien ein Vorabdruck aus diesem Buche in der Beilage zum „Parlament“. Er ließ aufmerken: Eingängig lesbar belegte die Verfasserin, wie der Öffentlichkeit, ja dem Richter selbst gegenüber der Schein richterlicher Unabhängigkeit gewahrt werden sollte, während im geheimen, „streng vertraulich“ durch sogenannte Richterbriefe und andere Maßnahmen versucht wurde, die Rechtsprechung diskret zu lenken.

Striptease und Legenden

In Vincennes wurde am 15. Oktober 1917 die 1876 in Leeuwarden/Friesland geborene Margaretha Zelle, Tochter des Adam Zelle und seiner Ehefrau Antje geb.

Israel

Ein Fernseh-Journalist reist dreimal nach Palästina und legt nun das Ergebnis seiner Beobachtungen in Buchform vor. Er schildert, worin die Hoffnungen des kleinen Volkes liegen und mit wieviel Schmerzen die Erwartungen auf die Zukunft begleitet sind.

„Da mußte ich weinen“

Mit Kreidestrichen hat eine Fürsorgerin vom Sozialamt ein Viereck um ein Häuflein Hausrat, ein paar Stühle und Schränke, Kisten und Koffer gezogen.

Planen um jeden Preis

Welche Opfer an Grund und Boden, an freiem Land und wertvollen Bauten müssen die Bürger dem ständig zunehmenden Straßenverkehr bringen? Welche Macht haben die Planungsbehörden? Zwei Hamburger Fälle geben Anlaß, über diese Fragen nachzudenken.

Aus allen Rohren

Der Prozeß gegen die beiden Eichmann-Gehilfen Krumey und Hunsche ist in der vergangenen Woche vertagt worden. Der Grund war harmlos: ein Ersatzgeschworener war krank geworden.

Ein großer Sohn?

In Rotterdam ging in diesen Tagen die deutschholländische Woche zu Ende, ein Treffen, das der Versöhnung der beiden Völker dienen sollte.

„Lebe gefährlich“

Vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts in Köln begann in dieser Woche ein Prozeß, in dem über die literarische Bewältigung der großdeutschen Vergangenheit entschieden werden soll.

Vor der Tür

Im Hamburger Sittlichkeitsprozeß gegen den Party-Photographen Krüger wurde – nachdem die übrige Öffentlichkeit schon bald nach Verhandlungsbeginn ausgeschlossen worden war – nun auch die Presse aus dem Gerichtssaal gewiesen.

Kanal 56: Bildung aus der Röhre

Am Dienstag der vorigen Woche wurde beim Bayerischen Rundfunk auf den Knopf gedrückt: Seit dem 22. September 1964, der somit als Gedenktag in die Geschichte der Publizistik eingeht, strömt in Bayern durch den Kanal 56 (und andere) das erste Dritte Fernsehprogramm der Bundesrepublik in die heimischen Bildröhren und verbreitet bei den wenigen, die einen dafür technisch bereits gerüsteten Apparat besitzen, allgemeines und sehr spezielles Wissen aus vielerlei Disziplinen.

Fernsehen: Barden im Bild

Zu später Stunde gabs ein Rendezvous, das lehrreich und makaber war. Nach zwei Jahrzehnten hatte man Gelegenheit, ein paar Männer wiederzutreffen, deren Werke in den kleinen tausend Jahren zur Pflichtlektüre gehörten.

SÜDWESTFUNK Montag, 28. September, das Nachtstudio:: Rhythmik in der Musik Mozarts

Karlheinz Stockhausen, Komponist und Leiter des Kölner Studios für Elektronische Musik, stieg zurück in die Historie. In der Epoche „vollkommenster Ausbildung tonaler Musik“, der „Klassik“, genauer: bei Mozart suchte er – wie vor Jahren sein Lehrer Messiaen bei den „Niederländern“ – nach den Gemeinsamkeiten in den Gesetzen der Harmonik und Metrik, Melodik und Rhythmik.

Film

„Polizeirevier Davidswache“ (Bundesrepublik; Verleih: Atlas): Es hatte ursprünglich, warum nicht, ein Loblied auf die Polizei werden sollen, die einen gefährlichen Dienst ohne Selbstbespiegelung und Lorbeer leistet.

Unser Kritiker sah:: DAME KOBOLD

Zwei Opernbühnen setzten an den Anfang der Spielzeit Uraufführungen: nach Hamburg Frankfurt am Main, nach dem „Zerrissenen“ Gottfried von Einems nun „Dame Kobold“, eine musikalische Komödie von Gerhard Wimberger.

Michel Butor: Zweifacher Blick

Einer der ersten „artists in residence“, die dank der Ford-Stiftung ein Jahr in Berlin verbringen konnten, war der französische Schriftsteller Michel Butor.

Halbzeit bei der Ford-Stiftung

Artists-in-residence heißt das anspruchsvolle Programm der Ford-Stiftung, das seit Mitte vorigen Jahres in Berlin stattfindet.

Kleiner Kunstkalender

Die 600 Kunsthistoriker aus aller Welt, die Mitte September in Bonn ihren 21. Internationalen Kongreß abhielten und über „Stil und Überlieferung in der Kunst des Abendlandes“ diskutierten, hatten das seltene Vergnügen, in den Städtischen Kunstsammlungen sich selbst oder ihren großen verstorbenen Kollegen oder sonstigen „Leuten um die Kunst“ im Bildnis zu begegnen.

Ehrfurchtslose Germanistik?

Mit einem ausführlichen Leserbrief hat sich Professor Dr. Hermann Pongs (in der ZEIT vom 25. 9. 1964) in die erfrischende Diskussion der Germanisten um Prophetie und Philologie eingeschaltet.

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